Der Domino-Effekt bleibt vorerst aus: Im Gegensatz zur niederländischen Rabobank bleibt die belgische Lotteriegesellschaft “Lotto” dem Radsport als Sponsor des Teams Lotto-Belisol um den deutschen Topsprinter André Greipel erhalten.
“Die Nationale Lotterie versteht diese Entscheidung, wählt aber einen anderen Ansatz: mit dem Ziel eines sauberen Radsports”, teilte das Unternehmen am Samstag in einer Pressemeldung mit.
“Die vielen Radsport-Fans verdienen eine Sportart, in der jeder die gleichen Mittel und so die gleichen Chancen zum Erfolg besitzt (wie es auch beim Lotto-Spielen der Fall ist)”, heißt es in dem Statement weiter. Das Unternehmen ist seit dem Jahr 1985 als Sponsor des belgischen Radsports aktiv.
Lotto sieht sich in der Verantwortung, für einen sauberen Sport einzutreten: “Radfahren ist eine der beliebtesten Sportarten in Belgien und die Nationale Lotterie will auch in der Zukunft daran beteiligt sein. Nicht durch Verschließen der Augen für das, was in der Vergangenheit Peloton falsch gelaufen ist, sondern durch die Fortsetzung seiner Tätigkeit auf einer gesunden Basis.”
Foto: Craig Sinclair
Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin (Omega Pharma-Quick Step) kann der Causa Lance Armstrong durchaus positive Aspekte abgewinnen - warnt zugleich jedoch vor einer Pauschalverurteilung des Radsports.
Es sei erschrocken vom “Ausmaß des Betrugs und die kriminellen Strukturen”, schrieb der 27-jährige Cottbuser auf seiner Webseite. Zugleich betonte er: “Die Aufarbeitung dieses systematischen Dopings ist richtig und wichtig für den Radsport. Es ist gut, dass Kontrollen greifen und Übeltäter überführt werden.”
“Es ist gut, dass Kontrollen greifen”
Große Anerkennung zollte Martin der Ermittlungsarbeit der USADA sowie den Erfolgen in der Überführung von betrügenden Berufskollegen: “Es ist gut, dass Kontrollen greifen und Übeltäter überführt werden. Und es ist gut, dass es Dopingjäger gibt, die sich nicht von Drohungen beeindrucken lassen und für Gerechtigkeit kämpfen.”
Gleichzeitig warnte der zweimalige Weltmeister im Kampf gegen die Uhr vor einer Pauschalverurteilung seiner Sportart: “Es gibt die Radsporlter, die noch nie betrogen haben. Es gibt die Radsportler, die allein schon aus Altersgründen nichts mit den alten Strukturen am Hut haben. Es gibt die Radsportler, die ein hohes Maß an Idealismus und Ehrlichkeit in sich tragen und diesen faszinierenden Sport lieben. Ich zähle mich zu diesen Sportlern.”
“Haben faire Chance verdient”
Der Radsport habe sich verändert, dennoch könne er verstehen, wenn die Details des Fall Armstrongs “das Vertrauen auch von eingefleischten Fans erschüttert”. Entsprechend haben junge Fahrer “wie John Degenkolb, Marcel Kittel, André Greipel oder auch ich haben uns eine faire Chance verdient”, erklärte Martin. “Diese haben wir uns durch ehrliche Arbeit in den letzten Jahren und die so errungenen Erfolge erkämpft.”
“Ich werde auch morgen wieder mit Spaß und der Hoffnung ein Rennen bestreiten, dass unser Sport eine Zukunft hat”, erklärte Martin vor seinem letzten Rennen beim französischen Zeitfahrwettbewerb Chrono des Nations, den er im Vorjahr gewann. “Denn während die Justiz richtigerweise die alten Vergehen aufarbeitet, versuche ich meinen Beitrag zu leisten, dem Radsport ein junges und frisches Image zu geben.”
Foto: Laurent Brun
David Millar (Garmin-Sharp) hat den Ausstieg der niederländischen Rabobank für deren Ausstieg aus dem Sponsoring des gleichnamigen WorldTour-Teams scharf kritisiert.
“Ihr wart Teil des Problems. Wie könnt ihr euch erdreisten, euch jetzt von euren jungen, sauberen Fahrern abzuwenden, die Teil der Lösung sind”, twitterte der 35 Jahre alte Schotte. Millar wurde im Jahr 2004 selber des Dopings überführt und gilt heute als einer der schärfsten Anti-Doping-Kritiker.
Einen ähnlichen Ton wie Millar schlug Rabobank-Profi Robert Gesink an. “Wir verlieren einen der größten Sponsoren, die der Radsport je gehabt hat. Ich habe keine Worte dafür, aber das ist eine der schlimmsten Sachen, die passieren konnte”, sagte der 26 Jahre alte Niederländer cyclingnews.com. “Diese Generation bekommt nun die Scheiße von der Generation davor, die falsche Dinge getan haben”, erklärte Gesink weiter.
Kittel: “Es ist eine Chance”
Betroffen von der Entscheidung zeigte sich sich auch Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin (Omega Pharma-Quick Step). “Das ist keine gute Stunde, kein gutes Signal für den Radsport”, sagte der Cottbuser dem Sport-Informations-Dienst SID. Der Arnstädter Marcel Kittel (Argos-Shimano) erklärte über seinen twitter-Account: “Rabobank hört auf. Enttäuschend! Aber man denke an T-Mobile: Auch sie stiegen aus, wurden zu Highroad und wurden zu DEM Team! Es ist eine Chance!”
UCI äußert Verständnis
Der Radsport-Weltverband UCI teilte in einem Statement mit: “Im Lichte der aktuell schwierigen Phase mit den Dopingfällen aus der Vergangenheit sowie dem jüngsten Vorgehen des Verbandes gegen einen Fahrer des Teams ist die Entscheidung nachvollziehbar.”
Rabobank hatte am Freitag angekündigt, nach 17 Jahren das Sponsoring des Straßen-Profiteams zum Saisonende einzustellen. Die Enthüllungen der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA um den siebenfachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong gaben den Ausschlag für diese Entscheidung. Das Kreditinstitut kündigte gleichzeitig an, den Rennstall auch im kommenden Jahr noch finanzieren - allerdings ohne Sponsorenname, als “white-label”-Team.
Foto: Laurent Brun
Der Radsport-Weltverband UCI wird sich am Montag zum Abschluss-Bericht der US-Anti-Doping-Agentur USADA im Zusammenhang mit den Dopinganschuldigungen gegen Lance Armstrong äußern.
Wie die die UCI am Freitag mitteilte, wird UCI-Präsident Pat McQuaid um 13 Uhr auf einer Pressekonferenz im Hotel Starling am Flughafen im schweizerischen Genf zur Causa Lance Armstrong Stellung beziehen. Die USADA hatte den 41-jährigen Texaner am 24. August wegen des Verdachtes des langjährigen Dopings lebenslang gesperrt.
Der UCI stellte die USADA die mehr als 1.000 Seiten umfassenden Ermittlungsergebnisse am 10. Oktober zu. Das Dokument stützt sich auf zahlreiche Zeugenaussagen, Finanzanalysen und Korrespondenzen. Die USADA fordete den Weltverband auf, alle Ergebnisse Armstrongs, darunter auch die sieben Tour-Siege (1999-2005), seit dem 1. August 1998 zu streichen.
Verbruggen im Zwielicht
Die UCI selber, vor allem McQuaids Vorgänger Hein Verbruggen, war zuletzt heftig in die Schusslinie geraten. Sowohl Armstrongs Teamkolleger Tyler Hamilton als auch Kathy Lemond, Ehefrau des dreimaligen Toursiegers Greg LeMond, behaupteten, dass die UCI positive Dopingproben Armstrongs aus den Jahren 1999 und 2001 vertuscht habe.
“Es gibt nicht die Spur eines Beweises”, verteidigte Verbruggen zuletzt in einem via SMS geführten Interview mit der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf Armstrong. Diese Aussage wies der 72-Jährige am Donnerstag jedoch zurück. Auch eine positive Probe Armstrongs habe Verbruggen, UCI-Präsident von 1991 bis 2005, nicht vertuscht.
Armstrong unbeeindruckt
Indes zeigte sich Armstrong bei seinem ersten offiziellen Auftritt nach Veröffentlichung des USADA-Berichts sichtlich unbeeindruckt. “Es ging mir schon besser, aber auch schon schlechter. Das waren schwierige Wochen für mich, meine Familie, meine Freunde und die Stiftung”, sagte der 41-jährie Texaner bei einer Rede zur 15-jährigen Jubiläumsgala seiner Krebsstiftung Livestrong am Freitabend in seiner Heimatstadt Austin. “Lassen wir es heute Nacht ordentlich krachen!”, rief Armstrong am Ende seiner Rede den rund 1.500 Gästen zu.
Foto: Sjar Adona