Erfahrungsbericht „Barfuß-Laufen“

Vor drei Wochen habe ich in einem Bericht zum ersten Mal über die Vorteile des Barfußlaufens gelesen. Darin wurde behauptet, dass durch die Dämpfung und Stützung eines modernen Laufschuhs die Belastungen auf Hüft-, Knie- und Sprunggelenke im Vergleich zum Laufen ohne Schuhe sogar erhöht werden! Das wollte ich natürlich selber ausprobieren und nachprüfen.

Da es aber in unserer zivilisierten Welt zu wenig Gelegenheit zum richtigen Barfußlaufen gibt, stellt uns die Sportindustrie sogenannte „Barfuß-Laufschuhe“ zur Verfügung. Inzwischen gibt es schon einige unterschiedliche Exemplare. Allen gemeinsam ist, dass es statt einer massiven Sohle nur eine Millimeter-dünne Gummihaut gibt. Nach kurzer Recherche habe ich mit für das Modell „Fivefingers Speed“ von VIBRAM entschieden.

Der Schuh wird ohne Socken getragen und beim ersten Mal hat man noch damit zu kämpfen, alle Zehen in die dafür vorgesehenen Öffnungen zu bekommen. Danach fühlt es sich mehr nach einem Badeschlapfen als nach einem Laufschuh an.

Die ersten Laufschritte führten gleich über den harten Gehsteig-Asphalt der Welser Innenstadt und fühlten sich ziemlich hart an. Auch erinnerte das tapsige Geräusch bei jedem Auftritt eher an Plattfüße als an geschmeidige Laufbewegungen. Überraschender Weise stellte sich aber bereits nach wenigen Minuten doch so etwas wie ein Laufgefühl ein. Der Laufstil ist automatisch flacher und mehr auf den Mittel- und Vorfuß ausgerichtet, sodass man schon sehr schnell in eine flüssige Bewegung kommt. Nach ca. 8 km ausschließlich auf Asphalt war mein erster Testlauf beendet. Ich hatte mir keine längere Strecke vorgenommen, war aber auch froh, dass es für’s Erste vorbei war. Die Fußsohlen fühlten sich doch schon hart und müde an. Zwei Mal bin ich dabei auch auf einen Stein getreten, was jedes Mal einen unangenehmen aber kurzen Schmerz auf der Sohle verursachte. Ansonsten war ich aber sehr positiv überrascht und sogar (fast) begeistert. Ich war definitiv langsamer unterwegs, als bei einem gewöhnlichen Trainingslauf, aber das lässt sich durch den anfänglichen Respekt erklären. Dafür war es aber anstrengender als mit dem gewohnten Schuh, da die Muskeln, Sehnen und Bänder gefühlsmäßig mehr arbeiten mussten. Insgesamt kommt es mir aber als die „ehrlichere“ Art des Laufens vor, da sich eben nur 1 Millimeter Material zwischen Straße und Fuß befindet.

Inzwischen bin ich ca. 40 km mit dem VIBRAM gelaufen – auf unterschiedlichem Untergrund. Meine Erfahrungen dabei:

  • Sehr gut geeignet für Asphalt (davon war ich am meisten überrascht) – allerdings sollten dieser frei von Steinen sein. Mit einiger Übung und ein wenig Erfahrung kann man genau so schnell laufen wie mit einem herkömmlichen Laufschuh. Man ermüdet allerdings schneller, was ja für einen Trainingslauf gar nicht so schlecht ist. Einen Halbmarathon könnte ich mir mit dem VIBRAM durchaus vorstellen, einen ganzen Marathon dann aber doch eher nicht.
     
  • Gras und erdige Waldwege: Perfekt! Laufgefühl pur, einfach super.
     
  • Schotterwege: Das ist mehr was für die wirklich Hartgesottenen. Es ist zwar möglich, man muss aber definitiv Tempo rausnehmen und sich bei jedem Schritt darauf konzentrieren, wohin man tritt. Das kann eine interessante Übung für den Kopf sein und gleichzeitig eine effektive Fußzonenreflexmassage.

Fazit: Ich werde jetzt regelmäßig „barfuß-“ Laufeinheiten in mein Training einbauen. Einerseits wird man dadurch gezwungen, sauberer zu laufen, was sich allgemein positiv auf die Lauftechnik auswirkt. Andererseits werden auch Sehen- und Muskelpartien belastet, die im Schutz des stabilisierenden und dämpfenden Laufschuhs vernachlässigt werden.