Das Triathlonjahr 2011 in Österreich - Teil 4

Unser Langdistanz-Aushängeschild aus Gumpoldskirchen, Michael Weiss, erlebte heuer Licht und Schatten. In St. Pölten sah es schon fast nach einem Sieg aus – am Ende musste er sich mit Rang 2 begnügen. Danach folgte die Aufnahme eines Dopingverfahrens gegen ihn. Die sportliche Antwort kam mit Rang 2 beim Ironman Klagenfurt mit einer neuen persönlichen Bestzeit unter der 8h Marke. Danach folgte vollste Konzentration auf den Ironman Hawaii mit einem kleinen Zwischenstopp bei der 70.3 Weltmeisterschaft in Las-Vegas. Dabei konnte er mit Rang 4 ein weiteres Topergebnis in diesem Jahr erzielen. In Hawaii lief es aber von Beginn an nicht nach Wunsch. Beim Schwimmen war der Abstand zur Führungsgruppe bereits zu groß, dann 180km fast alleine im Wind und schließlich die Aufgabe beim Marathon. Kurz danach folgte der Start bei der Crosstriathlon WM auf Maui, wo er doch etwas überraschend den Weltmeistertitel nach Österreich holen konnte. In der Zwischenzeit wurde auch das Dopingverfahren gegen ihn eingestellt – aber überraschender Weise wurde er von der Schiedskommission für 2 Jahre gesperrt. Diese Strafe hat Michael auch bereits akzeptiert – das ihm angelastete Vergehen geht aber auf das Jahr 2005 zurück und betrifft nicht seine Zeit als Triathlet. Kurz zusammengefasst das Jahr 2011 für ihn: Turbulent – erfolgreich – nun gesperrt!

Neben Weiss konnte sich auch der Salzburger Daniel Niederreiter ein weiteres Mal mitten in der Weltklasse platzieren. Niederreiter, ein Profilizenzverweigerer, kann sich mit seinen Leistungen immer wieder unter den Profis platzieren. So erreichte er heuer den 22. Gesamtrang bei der 70.3 WM in Las-Vegas und wurde damit „Age-Grouper“-Weltmeister. Bereits ein paar Wochen zuvor errang Niederreiter mit einem fünften Platz bei der Mitteldistanz in Wiesbaden den Europameistertitel der Nichtprofis. Zum drüberstreuen holte sich Daniel auch noch die Tagessiege beim Bürmooser Sprintbewerb und bei der Kurzdistanz in Zell am See.

Fuchs Andreas, mehrmaliger österreichischer Staatsmeister über die Langdistanz, ließ sich auch heuer diesen Titel nicht nehmen. In Podersdorf war er wieder eine Klasse für sich und ließ seinen Konkurrenten wieder einmal keine Chance beim Radfahren. Bei der Challenge in Roth erreichte er den 21 Gesamtrang, wobei er hier beim Laufen doch einige Plätze einbüßte. Seinen bisher größten internationalen Erfolg feierte Fuchs dann im September beim 111er TriStarevent in Split, welchen er vor einem weiteren Österreicher, Philip Podsidlik, siegreich beendete. „Nebenbei“ sicherte er sich, wie im Vorjahr, den Sieg beim Apfellandtriathlon, wurde beim Austrian HIM als bester Österreicher Fünfter der Gesamtwertung ebenso wie beim WEM in Litschau.

Einer der Aufsteiger des Jahres 2011 ist Mario Fink. Bereits in Klagenfurt ließ Mario mit Platz 8 in der Gesamtwertung und als bester Nichtprofi, aufhorchen. Dass er aber in Hawaii bester Österreicher wird, hätte wohl kaum einer vermutet, und Rang 3 in seiner Altersklasse war eine weitere Zugabe. Neben diesen beiden Topergebnissen sicherte sich Mario noch den Sieg bei der Mitteldistanz in Saalfelden, und belegte Rang 2 bei den Kurzdistanzen in Fürstenfeld und Mürz.

Max Renko’s Saison war wie auch jene von Michi Weiss von vielen Auf-und-Abs gekennzeichnet. Er startete stark in die Saison mit Rang 2 bei den Tagen der Wahrheit (Kurzdistanz über 3 Tage). In der Endwertung lag er nur knapp 1min hinter dem deutschen Profi Faris Al-Sultan.  Danach folgte der Tagessieg bei der Kurzdistanz in Obergrafendorf. In St. Pölten lief es mit Rang 13 bereits nicht nach Wunsch. Unerklärliche Atemprobleme stellten sich ein. Beim Ironman Klagenfurt musste er nach dem Schwimmen sogar aufgeben – wieder Atemprobleme. Diagnose: Belastungsasthma. Dieses in den Griff bekommen, startete der ehemalige „Biker“ bei einer der härtesten Langdistanzen der Welt – dem Embrunman in Frankreich mit etwa 4800 Höhenmetern, die es dort zu bewältigen gilt. Renko belegte dort den hervorragenden fünften Gesamtrang. Die Verteidigung des Mitteldistanz-Staatsmeistertitels von 2010 gelang ihm beim Trumertriathlon allerdings nicht. Er finishte zwar, aber ein Spitzenplatz war nicht möglich. Um den Staatsmeistertitel über die Langdistanz in Podersdorf wollte er dann kurzentschlossen Andreas Fuchs entgegentreten. Aber bereits während des Radfahrens musste er auch dieses Vorhaben vorzeitig beenden. Eine Saison, die sicher nicht ganz nach Wunsch von Renko war.

Berger Dominik aus Vorarlberg bestritt, wie bereits in Teil 2 angesprochen, heuer seine ersten Ironmanbewerbe. Mit Platz 12 in Südafrika zu Beginn des Jahres, zeigte er bereits sein hohes Leistungsniveau – Rang 12 war es schlussendlich auch in St. Pölten beim 70.3. In Klagenfurt lief es dann nicht ganz nach Wunsch – dort musste er sich mit Platz 21 zufrieden geben.

Der ehemalige Weltcupstarter über die Kurzdistanz, Gerald Horvath, versuchte sich heuer erstmalig bei den längeren Distanzen. Ein gelungenes Debüt feierte er über die Mitteldistanz in Linz wo er Rang 3 belegte. Etwas überraschend startete er dann noch im gleichen Jahr den Angriff auf die Ironmandistanz. In Klagenfurt belegte er schlussendlich in einer Zeit von 8:54:11 Rang 37

Philipp Podsiedlik aus Wien zeigte auch heuer wieder ansprechende Leistungen, neben dem Vizestaatsmeister über die Mitteldistanz erreichte er Rang 2 beim 111er TriStar Split sowie den 19ten Gesamtrang beim 70.3 in St. Pölten.

Franz Höfer holte sich auf den längeren Strecken neben dem eindrucksvollen Sieg in Obertrum bei den Staatsmeisterschaften über die Mitteldistanz auch den Sieg beim WEM (Waldviertler Eisenmann) in Litschau.

Niko Wihlidal wurde in LitschauZweiter hinter Höfer, belegte beim Ironman in Klagenfurt die Endposition 11 und absolvierte auch noch den Ironman Wales.

Der ehemalige Radprofi Matthias Buxhofer siegte bei der Mitteldistanz in Linz zu Jahresbeginn. Beim Ironman Kanada erreichte Buxhofer als „Agegrouper“ den hervorragenden elften Gesamtrang.

Soweit die Zusammenfassung der Ergebnisse.

Es zeigt sich, dass die österreichischen Triathleten und Triathletinnen im internationalen Vergleich durchaus gute Erfolge erzielen können. Die größten Erfolge werden dabei über die eher längeren Distanzen erzielt, wobei wenige Weltcup- und Europacupstarter hier durchaus Beachtliches leisten. Man wird sehen, wie sich die Nachwuchsarbeit im ÖTRV in den nächsten Jahren auswirkt und ob neben Perterer noch andere junge Athleten und Athletinnen den Anschuss an die Weltspritze über die olympische Distanz schaffen.

Alles in allem war 2011 eine ereignisreiche Triathlonsaison. In dieser Zusammenfassung habe versucht, die aus meiner Sicht wichtigsten Athleten und Athletinnen bzw. Ergebnisse namentlich anzuführen. Bei aller Sorgfalt werden in der Kürze der Darstellung jedoch sicher auch Namen fehlen. Bitte um Nachsicht, sollte ich hier jemanden nicht angeführt haben, der sich in diese Gruppe von Sportlern und Sportlerinnen einfügen würde.

Euer

Thomas Doblhammer

(Sportwissenschafter und Trainer)