Dominik Aichinger ist Ultra-Läufer, und gehört damit in Österreich einem kleinen Kreis von zirka 40 bis 50 Personen an. Unter Ultraläufen versteht man lange Strecken jenseits der 100 Kilometer, meist mit mehreren Tausend Höhenmetern gespickt und mit Vorliebe in „lauffeindlichen“ Gegenden wie etwa in der Wüste, im Dschungel oder im Hochgebirge. Aber warum macht ein Mensch so etwas? Der muss doch verrückt sein, oder?
Sehr häufig werden Ultraläufe vorschnell als zu extrem abgelehnt. Wenn jemand so etwas Extremes macht, dann kann in seinem Leben wohl manches nicht ganz stimmen. Entweder er läuft vor etwas davon oder unerfüllbaren Wünschen hinterher.
Welche Dinge aber wirklich extrem sind und welche normal, hängt sehr stark vom einzelnen Individuum wie auch von der jeweiligen Gesellschaft ab. So wäre es für ein Naturvolk von Jägern und Sammlern wahrscheinlich mehr als extrem, wenn sie einen modernen Menschen stundenlang in scheinbarer Starre vor dem Computer oder dem Fernseher beobachten würden.
Extrem werden Dinge immer dann, wenn diese an die eigenen Leistungsgrenzen gehen. Und auch das ist individuell sehr unterschiedlich. So kann eine stundenlange Shopping-Tour für einen „Untrainierten“ ebenfalls schon eine extreme Herausforderung sein.
Damit kommen wir zurück zu den Ultraläufern. Ihnen geht es in erster Linie um das ständige Ausloten der eigenen Grenzen und die dabei erlebten Grenzerfahrungen. Generell ist zu sagen, dass mit der Höhe der gesteckten Ziele auch die Leistungsbereitschaft und das Leistungsvermögen steigt. Natürlich müssen die Ziele auch realistisch sein und innerhalb der eigenen Möglichkeiten liegen.
Wer sich den großen Herausforderungen nicht zu stellen traut, der wird vielleicht in der eigenen Mittelmäßigkeit „erfolgreich“ bleiben. Der wird aber höchstwahrscheinlich niemals den berühmten Kick erleben. Statt dessen wird er sich der Kunst der Ausreden und der Aufzucht des inneren Schweinehundes widmen.
Und hier liegt die Bedeutung und Wichtigkeit der kleinen Gruppe der Ultra-Läufer. Von ihnen kann man lernen, wie man es anders macht!
Ein Artikel über Dominik Aichinger ist kürzlich in der Presse erschienen.
Ein Laufbericht über die klassische „Via Sacra“ von Perchtoldsdorf nach Maria Enzersdorf (125 km) kann im Blogbereich nachgelesen werden.