Russia Coast to Coast - Finish

Foto: Gregor Hartl Fotografie

21 Tage, 19 Stunden, 31 Minuten. 10.000 Kilometer. Das größte Land der Welt, ein Kontinent. Schmerz und Spaß, Leidensfähigkeit und Leidenschaft. Täglich im Schnitt 460 Kilometer. Nur dreieinhalb Stunden Schlaf – oder weniger. Ungemein viele Abenteuer lagen zwischen Wladiwostok am Japanischen Meer und St. Petersburg am Finnischen Meerbusen.

Wolfgang Fasching beendete gestern Abend, Ortszeit 21:43 Uhr (19:43 MESZ), an der russischen Westküste mit einem Lachen im Gesicht und mit Tränen in den Augen sein großes Experiment, das „Russia Coast to Coast“. „Wolfgang hat uns jeden Zeitplan und die gesamte Planung über den Haufen geworfen – wir kommen zwei Tage früher als erwartet in St. Petersburg an“, sagt Organisator Alexander Schachner mit einem Augenzwinkern. „Menschen wie Wolfgang Fasching braucht die Welt, und wir alle können uns ein Stück von ihm abschneiden.“ Fasching definiert mit diesem Erfolg neu, was ein menschlicher Körper aushält. Er schreibt Sportgeschichte, was mit mentaler Kraft zu leisten ist. Eine neue Dimension in der Ultraradsportszene ist erschlossen… „Es ist eines der wenigen Dinge, die ich selber nicht geglaubt hab, dass es möglich ist, in 21 Tagen quer durch Russland zu fahren“, sagt Wolfgang Fasching. Er war stets geduldig und leidensfähig. „Wenn man am Anfang die Straßen gesehen hat, meinen Zustand mit dem Knie und Oberschenkel, wo ich nicht wusste, wie ich die nächste Stunde überleben soll, der Verkehr... Dass wir hier sind, ist fast wie ein Wunder.“

Worauf sich der seit Montag 47-Jährige freuen wird? „Ein riesiges Projekt geschafft zu haben. Ein richtig großes Projekt. Ich werde stolz sein, dass ich mich über so etwas drüber getraut habe. Dass es tastsächlich durchgezogen worden ist“, erzählte Fasching, als er schon im zweistelligen Bereich unterwegs gewesen ist. Und das nach erneuten 386 Kilometer an diesem Mittwoch. Auch am 22. Tag seiner Extremtour wurde dem akademischen Mentaltrainer nichts geschenkt. Regen wässerte ihn mehrmals ein. Die spiegelglatten Seitenstreifen wurden zur gefährlichen Gleitzone zwischen den LKWs und Verkehrsteilnehmern. „Ich bin heilfroh, wenn wir im Ziel sind.“

Sein Blick zurück wird die schönen Momente sehen. Und actionreiche Szenen. Er sattelte aufgrund der schlaglöchrigen Straßenbedingungen 60-mal auf das Mountainbike um und wieder zurück. Er fuhr bei Schlamm und Staub, bei Regen, Gewitter, Gegenwind, Sonnenschein. Im Schnitt legte er täglich rund 460 Kilometer zurück. Schlief nur dreieinhalb Stunden am Tag. Die ersten 36 Stunden gänzlich ohne. In Motels oder im Auto. Durchschnittsgeschwindigkeit knappe 20 km/h – inklusive Pausen. Exklusive: ein 25er-Schnitt. Ein 15-köpfiges, zum Teil zweisprachiges Begleitteam, unterstütze ihn auf Schritt und Tritt. Er stürzte, als er während des Fahrens einen Mundschutz anlegen wollte. Er schlug einen Salto, als ihn ein Auto den Vorrang nahm und ihn abschoss. Er touchierte einen hereinschneidenden LKW, als er mit Mountainbike und Warnweste durch eine Unfallstelle musste. Höllenlärm. Abgase. Ein aufmerksamer Schutzengel begleitete Faschings Karawane quer durch Russland. Nach jedem Tief kam ein Hoch. Daran klammerte sich Fasching, als die Schmerzen zwischendurch stärker waren als die geistigen Kräfte. Der Wille hat gesiegt. Der akademische Mentalcoach will auch inspirieren mit seiner Mission Possible. „Ein alte weise Spruch trifft es: ,Alles Denkbare ist auch machbar.‘ Du musst es dir nur zutrauen. Und du musst es auch wirklich wollen für dich. Ein Zauberwort dabei lautet Geduld. Mit allen Situationen gegenwärtig umzugehen, sie anzunehmen. Es war ja nicht 10.000 Kilometer durchquälen. Wir hatten unseren Spaß auch zwischendurch. Mir fällt auf, dass sich Leute mehr zutrauen können, als sie glauben, das möglich ist.“

- 1000 Liter Vittel-Mineralwasser getrunken 
- 1000 Schokoriegel verdrückt
- 25 Verteiler durchbrennen lassen
- 800 Mückenstiche über sich ergehen lassen