TopSportAustria hat mit Norbert Domnik als österreichischem "Triathlonurgestein" ein Interview zu den bevorstehenden olympischen Bewerben im Triathlon geführt. Er gibt dabei seine Einschätzungen zu den Chancen der Österreicher und zur Entwicklung des Triathlonsports in Österreich generell preis. Er nimmt auch zu seiner Trennung als Trainer von Lisa Perterer Stellung. Norbert Domnik ist:
Frage: Wie schätzt Du die Chancen der österreichischen Triathleten bei den Olympischen Spielen in London ein?
Aufgrund der gezeigten Leistungen der heurigen Saison 2012 ist eine Platzierung unter den ersten 30 schon eine Überraschung für beide Athleten. Bei den Herren ist die Dichte so, dass es sehr stark auf die Tagesverfassung ankommt, also eine Chance für A. Giglmayer. Bei den Damen sind wie in Australien fast alle Stars am Start L. Perterer wurde dort soviel ich weiß, überrundet und aus dem Rennen genommen. Sie muss ihre Schwimmleistung gewaltig verbessern, um nicht unterzugehen, aber auch die Rad- und Laufleistung haben sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert.
Frage: Wie schätzt Du die sportliche Entwicklung der beiden Starter ein?
A. Giglmayer hat auf alle Fälle mit dem Weg ins Ausland richtig gehandelt, und sich auch gut entwickelt, er wird aber immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen, hier sollte er mehr auf sein Körpergefühl achten. L. Perterer hat durch unsere intensive Zusammenarbeit einen großen Sprung gemacht (haben sehr viel im Technikbereich gemacht) und sich 2011 schon zu 90% für die Spiele qualifiziert, die Voraussetzungen für einen Top 10 Platz waren vorhanden. Schlussendlich hat L. Perterer die Quali gerade noch durch viel Glück geschafft - gutes Zureden als Trainingsinhalt (Aussage bei Servus TV) ist einfach zu wenig.
Frage: Warum ist es zur Trennung von Dir und L. Perterer gekommen nach der erfolgreichen Saison im letzten Jahr?
Nach den erfolgreichen Rennen in Edmonton (Kanada) und Hamburg wollte ich einen schriftlichen Athleten/Trainer Vertrag, wie es im Leistungssport üblich ist auf diesem Niveau. L. Perterer wollte den Vertag unterschreiben, weil sie unsere gemeinsame Arbeit sehr geschätzt hat. Da sie noch eine sehr junge Athletin ist und durch ihre familiären Verhältnisse als Trennungskind geprägt wurde, nahmen ihre Eltern, die jahrelang nicht miteinander gesprochen hatten, die Angelegenheit in die Hand. Sie waren sich plötzlich gemeinsam einig und teilten mir mit, dass Lisa nun stark genug sei und in Zukunft auch ohne mich weiterkommen wird. In diesem Zusammenhang sei noch die negative Haltung des Vaters mir gegenüber hervorzuheben, welche sich durch wilde Beschimpfungen auszeichnete, obwohl er sich gemäß den Aussagen von L. Perterer bis dato nicht wirklich um sie gekümmert hatte. Neid, Eifersucht und Geldgier sind eben nicht die besten Berater.
Frage: Wie ist die Entwicklung im österreichischen Triathlon generell in den letzten Jahren zu sehen?
Im organisatorischen Bereich super: Ironman Austria, WM Serie Kitzbühel, Challenge Walchsee, Ironman 70.3 St Pölten, Duathlon Weyer. Eigentlich gibt es in Österreich nur hervorragende Veranstaltungen im Triathlon Bereich.
Sportlich kommen Athleten nur durch Einzelzellen weiter, also gibt es demnach kein System in Österreich. In Kärnten habe ich mit ÖTRV Präsident W. Zettinig ein Leistungszentrum gegründet, danach wollte man nur noch das Geld vom Leistungszentrum und ich wurde als erfolgreicher Trainer entlassen. Anstatt Leistungssport zu betreiben und zu unterstützen (2011 gab es kein Geld mehr um L. Perterers WC Rennen zu bezahlen), werden jetzt Hobby und Nachwuchssportler unterstützt bzw. Trainer finanziert die sehr fleißig sind, jedoch international keine Sportler herausbringen.
Frage: Wie ist die internationale Leistungsentwicklung bei Herren und Damen auf der Kurzdistanz in den letzten Jahren zu sehen?
Durch die Brownlee Brüder sind die Rennen bei den Herren unglaublich schnell geworden, nicht nur in den einzelnen Disziplinen, wie Schwimmen und Laufen, auf einmal fahren die Jungs sogar auf dem Rad wie der Teufel (die neuen ITU Regeln unterstützen dies durch finanzielle Anreize). Bei den Damen ist mit N. Spirig eine Ausnahmeathletin am Rad die mit ihrer Tempofahrt einigen Top Läuferinnen das Leben schwer macht, und diese Taktik gewiss bei Olympia beibehält. Die Dichte bei den Damen hat sich verbessert, jedoch ist das Angebot an Rennen für Damen zuviel. (Bsp 5150 ohne Windschatten fahren etc.)
Frage: Wie sieht es mit den Trainingsmöglichkeiten und der Unterstützung für österreichische Triathleten aus?
Der ÖTRV hat mit der Einrichtung eines Leistungsstützpunkt in der Südstadt den Versuch gestartet ein Zentrum für ein gemeinsames Training zu schaffen, jedoch ist mit Robert Michelmayer ein Sportdirektor am Werk, der meiner Meinung nach zuwenig Ahnung vom Triathlon hat, da er immer noch zu sehr auf den Schwimmsport fixiert ist und den Triathlon als Ganzes nicht in die Trainingsgestaltung umsetzen kann. Die Emotionen eines Sportlers im Zusammenhang mit Müdigkeit und Euphorie sind vom Beckenrand aus betrachtet schwer abzuschätzen, wenn man diesen Sport nie selbst auf hohem Niveau betrieben hat.
Frage: Wie sieht es mit dem Nachwuchs in Österreich derzeit aus?
Der Nachwuchs weist aus meiner Sicht die selben Probleme auf wie bei den Trainingsmöglichkeiten: Zu wenig gute Trainer mit Erfahrung im Leistungssport (mit L. Perterer habe ich gezeigt, dass Talente auch richtig trainieren müssen, um an die Spitze zu gelangen). Es sind auf alle Fälle einige Talente vorhanden, die bereit sind an sich zu arbeiten. Hier ist der ÖTRV gefordert endlich ein Konzept in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden vorzustellen, ich habe ÖTRV Präsident W. Zettinig bereits einige Vorschläge gemacht.
Frage: Worauf würdest Du als Trainer bei der Trainingssteuerung in den letzten Wochen vor den Spielen besonders achten?
Die Trainingssteuerung erfolgt bei mir durch den Ruhepuls und das Körpergewicht, sowie die Lauf- und Schwimmzeiten. Vor wichtigen Rennen, welche die sportliche Zukunft mitbestimmen, ist die Zusammenarbeit mit einem Trainer der dich gut kennt unabdinglich und sehr sehr wichtig. Es könnte passieren, dass man aufgrund der Aufregung vergisst auf seinen Körper zu hören, man möchte alles noch besser machen als sonst, und schon ist es passiert: zu müde – verletzt – krank, die Nahrung nicht vertragen, das Trinken vergessen etc.. Die Nerven liegen blank und können durch psychologische Tricks des Trainers wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.
Ich bin selbst bei den Olympischen Spielen in London vor Ort und schon ganz gespannt auf die Rennen im Triathlon. Den österreichischen Teilnehmern wünsche ich viel Glück.
Kommentare
Interessanter Artikel, nur leider so viele Rechtschreib- und Grammatikfehler, dass es weh tut!