Interview mit Langläufer Johannes Dürr

Foto: www.joeduerr.at

Nach den überraschenden Erfolgen auf den Schlussetappen der Tour de Ski, hat TopSportAustria ein Interview mit Österreichs derzeit einziger Langlaufhoffung über die längeren Distanzen, Johannes Dürr geführt. Dürr belegte am Schlusstag den 4. Etappenrang und am Vortag über 15 km klassisch im Massenstart Platz 8 mitten in der Weltklasse. Er spricht im Interview über seine Vorbereitung und seine Ziele.

TopSportAustria: Wie haben Sie den Moment in der Tour de Ski erlebt, in dem Sie bemerkt haben, mit den Topleuten mit laufen zu können, und Leute wie Northug zurück blieben?

Dürr: Realisiert habe ich es erst relativ spät im Rennen, als ich kurz vor dem Ziel an Dario Cologna vorbeigezogen bin. Ich bekam Gänsehaut!

TopSportAustria: An einigen Tagen der Tour sind die Ergebnisse wegen Materialproblemen nicht wie erwartet gewesen. Wie können Sie mit den "Wachs-Trucks" der großen Langlaufnationen mithalten?

Dürr: Das ist schon eine echte Herausforderung für die gesamte Servicecrew. Die großen Teams haben drei bis viermal so viele Wachsmänner und können sich die Arbeit natürlich besser aufteilen. Bei uns müssen eben drei Leute alles machen- Ski aussuchen, Gleitwachs, Steigwachs… Die große Schwierigkeit liegt darin, dass sich oftmals die Bedingungen gravierend ändern, dann hat man leider nicht mehr die Möglichkeit zu reagieren.

TopSportAustria: Auf welchen Strecken und Techniken liegen Ihre Stärken? Worauf wird der Fokus in der Zukunft liegen?

Dürr: Solche Bewerbe wie die Tour de Ski gefallen mir sehr gut, weil man jeden Tag ein neues Rennen und somit eine neue Chance hat. Da sind vor allem die Allrounder Qualitäten gefragt. Meine große Schwäche ist aber der Sprint, die es auszumerzen gilt.

TopSportAustria: Wie sieht Ihre Vorbereitung in den Sommermonaten aus? Welche Rolle spielen andere Sportarten in der Vorbereitung?

Dürr: Anfang Mai beginne ich mit dem Grundlagenausdauertraining. In dieser Zeit gilt es hauptsächlich viele Ausdauerstunden zu sammeln. Ich bin wahnsinnig gern mit dem Mountainbike unterwegs, aber auch lange Bergtouren oder Laufeinheiten kommen nicht zu kurz.

TopSportAustria: Welche Trainingsschwerpunkte werden in der Wettkampfsaison gesetzt? Wie werden hier Umfang und Intensität dosiert? Wie wird das Training gesteuert und dokumentiert?

Dürr: Während der Wettkampfsaison versucht man eigentlich nur die Form mit kurzen Intervalltrainings gezielt auf ein bestimmtes Highlight hinzukriegen! Zeit für richtiges Grundlagentraining gibt’s eigentlich nicht, da man von Rennen zu Rennen nur versucht wieder regeneriert zu sein. Das Training für den Winter passiert hautsächlich im Sommer und im Herbst. Daher kommt auch der Spruch: Langläufer werden im Sommer gemacht! In dieser Zeit muss die Basis für den Winter gelegt werden. Beginnend mit viel Umfang, wenig Intensität, wird diese dann immer mehr gesteigert. Erst kurz vor den Rennen werden dann die Trainingsstunden reduziert und hauptsächlich kurze hochintensive Intervalls trainiert.

Über die gesamte Vorbereitung haben wir Jahr für Jahr fixe Termine für Leistungstests. Anhand der Werte wird dann das weitere Training geplant. Begleitend führt jeder Athlet ein eigenes Trainingstagebuch.

TopSportAustria: Wie sieht die direkte Vorbereitung auf ein Rennen aus? Gibt es ein kurzes Training vor dem Rennen? Wird ein Ruhetag eingelegt?

Dürr: Der Ruhetag ist meistens auch der Anreisetag, also zwei Tage vor dem Rennen. Am Tag davor bewege ich mich dann ca 1h30min auf dem Ski und mache kurze Intervalle (ca. 3-6min x4, 3-5Laktat) und ein paar kurze Steigerungsläufe. Am Abend gehe ich dann noch ca 30min locker auslaufen. Ich brauche immer bis ich in Schwung komme, daher muss ich unmittelbar vor dem Rennen schon mindestens 45min -1h aufwärmen mit kurzen tonisierenden Sprints.

TopSportAustria: Machen Sie bezüglich Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel irgendetwas besonderes? Welche Prinzipiebn verfolgen sie hier?

Dürr: Ich habe schon so einiges ausprobiert. Ein Jahr habe ich sogar auf Ei, Weizen, Milch und Schweinefleisch verzichtet, da ist nicht mehr viel übrig geblieben. Auf Dauer war der Druck dann aber zu groß, vor allem weil ich ein leidenschaftlicher Esser bin!

Jetzt versuche ich mich ausgewogen und gesund zu ernähren, sprich viel Obst und Gemüse, Fleisch und nur wenig Süßigkeiten- ab und zu muss es aber trotzdem sein.

Beim Thema Nahrungsergänzung hab ich mit der Firma Biogena einen verlässlichen Partner, hier basierend auf meinen Blutwerten die Substituierung zusammengestellt.

TopSportAustria: Wo liegen Schwerpunkte und Ziele der weiteren Saison? Wie sehen langfristige Ziekle aus?

Dürr: Das zweite große Ziel für heuer ist die WM in Val di Fiemme(ITA) Ende Februar. Hier werde ich im 30km Skiathlon und über die 15km Freie Technik an den Start gehen. Auch wenn die Verlockung nach den kürzlich erbrachten Ergebnissen groß ist von einem Top Ten Platz zu sprechen, muss man realistisch bleiben. Eine Platzierung unter den besten 20 der Welt wäre schon der Hammer.

Ich denke eigentlich eher von Wettkampf zu Wettkampf. Obwohl ich natürlich schon vom Olympiasieg oder Weltmeistertitel träume!