Josef Mayerhofer und Michael Fried sind Läufer. Das ist noch nichts Besonderes, wird man jetzt denken. Interessanter wird die Sache allerdings schon, wenn man weiß, dass sie Strecken laufen, die weit jenseits des klassischen Marathons beginnen. So genannte Ultra-Läufe, wie der Wüstenmarathon des Sables in Marokko, der Jungle Marathon in Brasilien, das Himalayan Stage Race oder die Coastal Challenge in Costa Rica. Dabei sind Distanzen von 100 km bis 250 km zu überwinden - Großteils in freier Natur, abseits von asphaltierten Straßen.
Aber richtig spannend ist jetzt ihr Vorhaben, die Faszination des Ultralaufens einem größeren Publikum zu ermöglichen und den ersten Ultra-Panoramalauf in Österreich zu organisieren.
Dieser findet rund um „den längsten Tag“ am 23 Juni 2012 in Salzburg statt. Wie es sich für einen echten Ultralauf gehört, startet er um 5:00 in der Salzburger Innenstadt, führt dann in zwei Schleifen durch das wunderbare Salzburgerland bis zum Fuschlsee. Es gibt Einzelbewerbe über 54 und 100 Kilometer, sowie die Möglichkeit für Staffelläufer? zwischen 9 und 30 Kilometer. Neben den ambitionierten Leistungsläufern sollen aber alle Läufer und Nordic Walker angesprochen werden, die sich einer neuen Herausforderung stellen wollen. Nähere Informationen findet man auf der offiziellen Homepage www.mozart100.com.
Über ihren ambitionierten Plan sprachen Sie mit Robert Steinbauer von TopSportAustria.at (TSA). Wie unter Laufkollegen üblich, wurde das Interview in der Du-Form geführt.
TSA: Hallo Josef und Michael. Ich freue mich auf die Gelegenheit, mehr über euer Vorhaben zu erfahren. Ihr steckt ja gerade in der Organisation des Mozart100’er, einem 100 km Landschaftslauf in Salzburg. Das klingt ein wenig verrückt. Wer soll da überhaupt mitlaufen?
Michael: 100 Kilometer wirken auf den ersten Blick sicher extrem und scheinen als Laufdistanz unvorstellbar lang zu sein. Aber das ist für einen ambitionierten Hobbyläufer durchaus möglich. Das zeigen auch die vielen Veranstaltungen über derartige Distanzen, die es inzwischen gibt. Leider finden diese Events aber im fernen Ausland statt, in Österreich gibt es noch (fast) kein Angebot. In den letzten Jahren ist in den USA ein regelrechter Lauf-Boom über Distanzen jenseits des klassischen Marathons ausgebrochen.
TSA: In der Volksmeinung hierzulande gelten aber immer noch die 42,2 km beim Marathon als Inbegriff der ultimativen Grenzerfahrung. Viele Hobbysportler wollen dieses Ziel zumindest einmal im Leben erreichen. Und jetzt gleich eine zweieinhalbfache Distanz? Haben wir in Österreich wirklich ein ausreichendes Potential an Ultra-Interessierten?
Josef: Allgemein gilt: Wo es kein Angebot gibt, da kann sich auch nur schwer eine Nachfrage entwickeln. Deshalb wollen wir eben in Österreich einen Landschaftslauf anbieten, der „alle Stücke“ spielt. Weit stärker als beim Marathon geht es für viele beim Ultralauf weniger um die Endzeit oder Platzierung (natürlich ist das für die ambitionierten Läufer auch wichtig), sondern mehr um die mentalen (Grenz-) Erfahrungen während des Laufes. Man kann ungemein viel über sich selber lernen. Die erstaunlichste Erkenntnis ist wahrscheinlich, dass es nach 70, 80 Kilometer immer noch geht. Man erkennt plötzlich, dass man in der Lage ist, Dinge zu leisten, die man vorher vielleicht für völlig unmöglich gehalten hat. Das sind Erfahrungen, die auch für das „richtige“ Leben ungemein wertvoll sein können.
Michael: Weiters wollen wir einem Marathonläufer die Möglichkeit für die nächsten hoch gesteckten Ziele bieten. Wer schon etliche Marathons gelaufen ist, kann entweder versuchen, seine Zeit zu verbessern oder die Distanz zu verlängern. Bedenkt man, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen 120 und 150 Tausend Läufer einen Marathon beenden – in Österreich sind es immerhin noch ca. 15.000 Läufer – dann ist das Potential an interessierten Ultra-Läufern enorm.
TSA: Könnt ihr kurz die wesentlichen Vorteile des Mozart100 im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen, etwa zu den klassischen Bieler Lauftagen, beschreiben.
Josef: Ich glaube, dass wir im Wesentlichen zwei Trümpfe in der Hand haben. Zum ersten die Marke „Mozart“. Das ist ein international beliebter und bekannter Begriff, der sehr viele anspricht. Der Mozart 100 soll eben auch ein Brückenschlag zwischen Kultur und Tourismus, beeindruckender Landschaft und Sportlichkeit sein. Deshalb startet und endet der Lauf auch mitten in der Stadt Salzburg. Von dieser außergewöhnlichen Kulisse geht es dann in zwei weiten Schleifen hinaus ins Salzburger-Land, welches sicherlich zu den schönsten Gegenden Europas zählt. Von hier stammen auch die berühmten Filmaufnahmen zum „Sound of Music“. Zu Sommerbeginn, wenn hier alles blüht, wird das Landschaftsbild nur schwer zu toppen sein.
Michael: Zum anderen soll der Mozart100 ein Volkslauf und gleichzeitig ein Volksfest werden. Die gesamte Strecke umfasst 100 Kilometer und ca. 2000 Höhenmeter (nähere Infos zur Streckenführung: siehe www.mozart100.com/strecke.html). Wer sich aber die magische Distanz von 100 Kilometern noch nicht zutraut, der kann auch über 54 Kilometer starten (eine Schleife) oder in einer Staffel starten. Hier bieten wir Strecken zwischen 9 und 30 Kilometern an, sodass wirklich für jeden was Passendes dabei sein sollte.
Die Strecke führt durch vier Ortschaften, in denen sicherlich für eine unvergessliche Stimmung gesorgt wird. Somit kann jede Gemeinde als kleines Etappenziel gesehen werden, wo man auch mental wieder auftanken kann. Insgesamt soll der Mozart100 für jeden Teilnehmer einen unvergesslichen Gesamteindruck hinterlassen.
TSA: Mit wie vielen Teilnehmern rechnet ihr?
Josef: 500 Starter (insgesamt in allen Bewerben), wäre beim ersten Mal schon ein echter Erfolg. Es geht uns aber nicht nur um das erste Jahr. Der Mozart100 soll zu einer Institution für Salzburg werden und die Region touristisch bereichern. Die Herausforderung für das erste Jahr liegt daher im Wesentlichen darin, die Veranstaltung so sympathisch und liebevoll auszurichten, dass einerseits nächstes Jahr alle wiederkommen und andererseits durch positive Mundpropaganda neue Teilnehmer gewonnen werden können.
TSA: Worin liegt nun die Faszination eines 100 Kilometer Laufes genau?
Michael: Wie gesagt, es ist die nächste „natürliche“ Herausforderung nach dem Marathon. Während eines Ultralaufes kann man so unendlich viel über sich selbst lernen: Wie verhalte ich mich wirklich, wenn nichts mehr geht (oder wenn man das zumindest glaubt)? Was mache ich, wenn der innere Schweinehund übermächtig zu werden scheint? Es spielt sich dann fast alles im Kopf ab. Und wer die 100 Kilometer einmal hinter sich gebracht hat, egal wie viel der dabei gegangen ist, der merkt auch, dass plötzlich auch im echten Leben vieles Unvorstellbare plötzlich möglich erscheint.
TSA: Wie soll sich ein Neuling einen 100 Kilometerlauf einteilen?
Josef: Keinesfalls zu schnell beginnen: Kein Ultra wird auf den ersten Kilometern gewonnen, sehr wohl aber verloren. Ganz wichtig ist es, seinen individuellen Rhythmus zu finden – niemals gegen die eigene Natur zu laufen. Steigungen sollten unbedingt gegangen, und nicht gelaufen werden. Damit spart man wertvolle Energien, und verliert kaum Zeit dabei. Empfindliche Körperstellen sollten mit der bewährten Hirschtalg-Creme eingerieben werden. Gute Kleidung verwenden, allerdings nur solche, die sich auch schon im Training bewährt haben. Bitte keine Experimente mit neuem Equipment.
Wenn dann wirklich ein Durchhänger kommt (und das ist fast sicher bei jedem irgendwann der Fall), dann braucht es eine gewisse Demut vor der ganzen Sache: Tempo rausnehmen – runter vom Gas! Eventuell muss man auch stehen bleiben und ausruhen. Ausreichend Essen und Trinken. Und wie gesagt, es kann nichts erzwungen werden. Wenn man in einer solchen Situation die notwendige Geduld aufbringt, dann kommt erstaunlicher Weise irgendwann die Energie zurück, ohne dass man sich so recht erklären kann, woher eigentlich. Das sind dann die schönsten Momente, in denen man sich fast „unsterblich“ fühlt. Diese Erfahrungen vergisst man ein ganzes Leben lang nicht mehr.
Michael: Der Körper gibt rechtzeitig die nötigen Signale. Auf die muss man unbedingt horchen. Falscher Ehrgeiz kann da ganz schnell zum falschen Ratgeber werden. Entlang der Strecke gibt es immer wieder medizinische Versorgung. Bei Blasen oder ähnlichem kann man sich gut helfen lassen. Letztendlich trägt aber jeder Teilnehmer die Verantwortung für die eigene Gesundheit selber.
TSA: Wie groß ist eigentlich der Kalorienverbrauch für 100 Kilometer.
Josef: Das hängt natürlich stark von Faktoren wie Körpergewicht und Konstitution ab. Größenordnungsmäßig wird man aber schon zwischen 7000 und 8000 kcal verbrennen.
TSA: Muss sich der Teilnehmer neben den Labestationen um ergänzende Verpflegung kümmern?
Michael: Selbstversorgung ist grundsätzlich erlaubt, sollte aber nicht nötig sein. An den Verpflegungsstationen steht genügend Süßes und Saures zur Verfügung.
TSA: Welche Empfehlungen kann man den Teilnehmern noch geben. Wie muss man sich etwa auf einen 100-Kilometer Lauf vorbereiten.
Josef: Ganz wichtig ist uns, noch einmal herauszustreichen, dass nicht nur wenige Spitzenläufer (mit 100 – 200 Trainingskilometer pro Woche) in der Lage sind, einen 100 Kilometer Lauf erfolgreich zu absolvieren. Die Vorbereitung dafür sollte ähnlich aussehen, wie die für einen Marathon. Zusätzlich sollte man aber ein, zwei 40 oder 50 km Trainingsläufe einplanen. Diese dürfen aber nur sehr langsam absolviert werden, um den Körper ein wenig an die Distanz heranzuführen. Trainingsläufe über 50 km sind unserer Meinung nach nicht notwendig.
Natürlich macht es auch Sinn, sich von einem Experten einen Trainingsplan erstellen zu lassen. Auch unser Race-Director Mag. Josef Gruber steht hierfür zur Verfügung. Wenn jemand Interesse hat, so kann er einfach eine Email an [email protected] senden.
Über unsere Facebook-Seite (https://www.facebook.com/pages/mozart-100/176077789156503) können sich die interessierten Teilnehmer auch untereinander vernetzen und austauschen.
Michael: Wichtig ist natürlich auch die mentale Vorbereitung („Einen Ultra gewinnt man im Kopf“). Daher sollte sich jeder im Vorfeld eine für ihn passende Strategie zurecht legen. Keinesfalls sollte man stur die Kilometer herunterzählen. Besser ist es schon, wenn man sich genügend Punkte auf der Strecke sucht, auf die man sich freuen kann. Kleine Belohnungen (seien es Labstationen oder Treffpunkte mit Freunden und Bekannten) bewirken oft kleine mentale Wunder.
TSA: Noch einmal zurück zur Organisation des Events. Wann wurde die Idee zum Mozart100 geboren und wie lange hat es dann bis zu den ersten konkreten Schritten gedauert.
Josef: Geboren wurde die Idee im Februar 2011 bei der Coastal Challenge in Costa Rica. Ausschlaggebend waren damals neben den Laufimpressionen die beeindruckenden Landschaftserlebnisse. Damals haben wir uns gesagt: „So was ähnliches können wir auch in Österreich machen!“ Von der ersten Idee bis zum ersten Sponsor-Termin hat es dann ca. 4 Monate gedauert. In dieser Zeit haben wir auch ein – wie wir hoffen – schlüssiges Gesamtkonzept erarbeitet. Natürlich haben wir uns an anderen erfolgreichen Veranstaltungen orientiert, wie etwa den Bieler Lauftagen. Andererseits haben wir aber streng darauf geachtet, ein eigenes und individuelles Profil zu generieren. Wir sind überzeugt, dass uns das mit der Kombination der Marke Mozart mit der unverwechselbaren Landschaft auch gelungen ist.
TSA: Wie viele Stunden werden in die Organisation rinnen?
Michael: Die meisten Arbeiten während des Events werden von den vielen freiwilligen Helfern in deren Freizeit verrichtet. Da werden schon ca. 6.000 Stunden zusammen kommen. Wir möchten uns daher an dieser Stelle bei allen Helfern ganz herzlich bedanken, ohne die ein solches Vorhaben gar nicht möglich wäre.
Josef und ich investieren darüber hinaus 2.000 Stunden unserer Freizeit. Dennoch wird dieses Event aber immer noch einen sechsstelligen Betrag kosten. Daher auch vielen Dank an Stadt und Land Salzburg sowie an unsere Sponsoren.
TSA: Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für den Mozart 100 am 23. Juni.