Ich laufe vor der Haustür los und biege kurz danach in den Wanderweg ein, nein ich versuche einzubiegen, denn vor mir befindet sich eine Gruppe munter schwatzender Nordic-Walker. Die Frauengruppe aus unserem Dorf mit gut 15 Teilnehmern und die Stöcke klappern wie Stricknadeln. Ich versuche es rechts vorbei und links vorbei. Schließlich laufe ich fast auf der Stelle und bitte rufend um Durchlass. Keine Reaktion. Erst auf mein energisches: „ kann ich bitte vorbei?“ drehen sich zwei der Frauen verwundert um. Ein vorwurfsvolles: „Das ist ja mal wieder typisch“, ertönt und ich bekomm immer noch keinen Durchlass. Alle anderen Frauen drehen sich nun ebenfalls um und ich nutze die Chance und hüpfe über die kreuz und querstehenden Stöcke. Endlich freie Bahn und ich kann laufen wie ich will und das genieße ich. Kurz, da werde durch ein lautes Klingeln hochgeschreckt. Ich spring zur Seite. Gerade noch rechtzeitig. Die Seniorenradgruppe ist früh dran. Da hilft nur noch abwarten. An die 40 Radfahrer nähern sich. Laut klingelnd und in fröhlichen Schlangenlinien. Als sie endlich vorbei sind, setze ich meinen Lauf fort. Mindestens 10 Minuten und zwar völlig störungsfrei, da taucht Spencer vor mir auf. Spencer ist eine Bordeaux Dogge. Gut 60 cm hoch und über 50 kg schwer, ein Jahr alt und möchte immer furchtbar gern spielen. Herrchen ist auch dabei aber das ändert nichts, denn Spencer würde sich ohne Besitzer auch nicht anders verhalten. Spencer läuft an einer Rollleine, damit er sich frei bewegen kann und gerade möchte er sich frei in meine Richtung bewegen. Herrchen fliegt wie ein Fähnchen im Wind hinterher. Ich bleib stehen und geh vorsichtshalber schon leicht in die Knie. Spencer nähert sich in grossen Sätzen und will mich umarmen. Ich dreh mich leicht zur Seite und bekomm den riesigen Hund am Halsband zu fassen und kann ihn damit wenigstens etwas abwehren. Aber dann wickelt sich die Rollleine um meine Beine und schon sitz ich da. Spencer findet das toll und möchte mich ablecken. Ich zieh mich an seinem Geschirr auf die Füsse und tätschel ihm das feiste Hinterteil. Spencers Besitzer entschuldigt sich, wie fast jeden Tag und ich erzähl ihm wie fast jeden Tag, was für eine tolle Hundeschule wir im Dorf haben. Entspannt Laufen? Ja, irgendwie schon, denk ich später zuhause und sehe aus dem Fenster und beobachte die Walkingtruppe vorbeigehen, während sich Spencer von hinten nähert um eines der Stöcke zu ergattern und von vorn die Seniorenradgruppe herangetrudelt kommt.