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Vanessa Herzog im Interview: Um in Pyeongchang eine Olympiamedaille zu holen, muss ich 105 Prozent geben!

Foto: Tom Sports Consulting

Die Tirolerin Vanessa Herzog ist eine junge, dynamische und erfolgreiche Eisschnellläuferin, die bereit ist, bei den bevorstehenden Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang eine Medaille zu holen. Dementsprechend motiviert ist sie in den zahlreichen sommerlichen Trainingseinheiten. Im nachstehenden Interview berichtet sie über die erfolgreiche Inline Speed Skating-EM in Portugal, die verschiedenen Trainings, die Fertigkeiten einer kompletten Eisschnellläuferin und vieles mehr.

Vanessa, nach der Saison ist vor der Saison. Aus welchem Grund ist ein ausgewogenes und sehr gutes Sommertraining mehr als nur ein wesentlicher Baustein für einen erfolgreichen Winter?

Im Sommer wird die Grundlage gelegt, um im Winter auf Eis erfolgreich sein zu können. Da Eisschnelllauf sehr vielseitig ist, legen wir im Sommer Wert auf Ausdauer, Kraft und versuchen ein möglich abwechslungsreiches Training zu gestalten. Dazu kommt natürlich meine zweite Leidenschaft, das Inline Speed Skating. Immer wenn ich im Sommer erfolgreich war, ist der nachfolgende Winter gut gelaufen.

Bei der Europameisterschaft im Inline Speed Skating in Portugal konnten Sie gleich mehrere Medaillen gewinnen. Sind diese eine Genugtuung dafür, dass es sich lohnt, in der warmen Jahreszeit zu quälen und zu trainieren?

Obwohl das Training manchmal sehr hart sein kann, trainiere ich gerne. Daher ist es nicht wirklich eine Qual. Mein Mann versucht im Training, immer unterschiedliche Reize zu setzen, damit es nie eintönig wird, und wie man sieht, gibt uns der Erfolg in Portugal mit dreimal Gold und insgesamt fünf Medaillen in fünf Rennen recht.

Apropos Training: Welche Einheiten machen Ihnen besonders viel Spaß, und mit welchen können Sie sich nicht so sehr anfreunden?

Ich trainiere sehr gerne schnelle Einheiten auf dem Eis, da man dann die gesamte Dynamik des Sports fühlen kann. Genauso gerne bin ich aber auch in der Natur beim Laufen, Radfahren, Inline Skaten, oder wenn wir Sprünge machen. Am härtesten sind sicher die Einheiten in der Kraftkammer, wenn wirklich viel Gewicht bei den Kniebeugen auf der Schulter liegt. Aber das gehört einfach dazu.

In wenigen Monaten wird auch der Winter in unseren Breiten einziehen. Wann geht es das erste Mal richtig auf Eis, und was macht im Gegensatz dazu für Sie ganz persönlich die Faszination des Eisschnelllaufens aus?

Wir waren heuer schon im Juni und im Juli auf dem Eis, beide Male in Holland. Letzte Woche waren wir in Inzell, und morgen geht es schon nach Norwegen. Die Faszination des Eisschnelllaufens ist für mich die Kombination aus Dynamik, Schnelligkeit, Kraft und Ästhetik.

Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Konzentration… Welche Eigenschaften benötigt es noch, um als „komplette“ Eisschnellläuferin von internationaler Prägung im Konkurrenzkampf ernstgenommen zu werden und um diese Sportart erfolgreich zu bestreiten?

Perfekte Technik und einen unbändigen Willen auch unter Schmerzen, und die kommen bei jedem Rennen, um den Speed und die Technik zu halten. Manchmal brennen die Oberschenkel richtig, und dann noch sauber zu fahren und das System kompakt zu halten ist eine Kunst, die nur ganz wenige können.

Ist eine Medaille bei den bevorstehenden Olympischen Winterspielen in Südkorea ein realistisches Ziel? Was muss alles passen, damit Sie am Tag X auf die Sekunde genau fit sind, um olympisches Edelmetall zu erreichen?

Es muss alles passen, vom Umfeld über das Training bis zur Form, und dann muss ich im entscheidenden Moment 105% abrufen. Nur dann ist eine Medaille möglich. Immerhin sind wirklich große Nationen mit den USA, Kanada, China, Japan, Korea, Russland, Deutschland und natürlich Holland im Eisschnelllauf engagiert. Als quasi Solistin dagegen zu bestehen ist nicht so einfach.

Derzeit ist aufgrund Machtspielereien des nordkoreanischen Diktators der Olympia-Austragungsort Pyeongchang in aller Munde. Lassen Sie diese Nachrichten eher „kalt“ oder verfolgen Sie diese mit Interesse?

Mein Mann beschäftigt sich mehr damit, für mich ist das kein Thema.

Bleibt das Fazit: Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie zu der jungen und sympathischen, in der gleichen Weise erfolgreichen Eisschnellläuferin gemacht, die Sie sind? Wer hat es das erste Mal zu Ihnen gesagt, und aus welchem Grund ist, wenn man das Motto beherzigt, der Sport für Sie die beste Lebensschule?

„Ich laufe einfach“. Das ist mein Motto im Eisschnelllauf, denn so kann ich den ganzen Druck beiseite schieben. Aufs Leben umgemünzt heißt es wohl: „Nicht alles unnötig komplizieren, sondern einfach einmal anfangen“.

Im Sport ist alles quantifizierbar, gerade im Hochleistungssport zählen Wille und Leistung. Und das ist die perfekte Lebensschule.

Danke für das Interview, Vanessa.