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Favoriten für die 68. Österreich Rundfahrt

Noch zwei Tage, dann beginnt die 68. Auflage der Österreich Rundfahrt mit dem Bergprolog in Kitzbühel. Der ehemalige Rundfahrtsieger Thomas Rohregger, der auch heuer wieder als Co-Kommentator für den ORF im Einsatz ist, beleuchtet das Starterfeld der Tour: Wer sind die Favoriten für das Gesamtklassement und welche Chancen gibt er den ÖRV-Profis?
  
„Grundsätzlich erwarte ich heuer einen sehr offenen Kampf um Etappensiege und in den Wertungen. Große Mannschaften, wie Sky, Trek oder Katusha, die ein Rennen kontrollieren können, sind heuer nicht dabei. Wir haben aber viele ausgeglichene Mannschaften am Start, wobei laut Papierform das polnische Team CCC die stärkste ist. Sie kommen mit einer Doppelspitze: mit dem Vorjahresdritten Jan Hirt, der zuletzt bei der Tour de Suisse bärenstark war, und mit Sylwester Szmyd, der 2009 bei der Dauphine eine Etappe gewann und 2012 Gesamtdritter beim Giro del Trentino wurde. Leider wurden Vorjahressieger Victor De La Parte und vor allem unsere große Hoffnung auf eine Spitzenplatzierung Felix Großschartner wegen Verletzungen aus dem Team genommen“, analysiert der Kramsacher Rohregger.

Die Favoriten auf den Gesamtsieg

Aus dem WorldTour-Team Astana sticht ein Mann hervor: Der 31-jährige Valerio Agnoli, 2010 Etappensieger beim Giro d’Italia, heuer gewann er mit seinem Team das Mannschaftszeitfahren beim Giro del Trentino und im Vorjahr wurde er Gesamtzweiter bei der Tour de Langkawi. Das italienische Team Bardiani CSF schickt mit Stefano Pirazzi ebenfalls einen Giro-Etappensieger (2014) und heuer gewann er vor Clemens Fankhauser die 4. Etappe der schweren Coppi e Bartali. Seine starke Form zeigte er heuer auch bereits beim Giro d’Italia, wo er Gesamt-18. wurde. Stark einzuschätzen ist auch Cofidis-Profi Stephane Rossetto, der im Laufe seiner Karriere drei Rundfahrten gewann!

Tour de France- und Giro-Etappensieger dabei

Im Team Roompot zählt der Tour de France- und Giro d’Italia-Etappensieger Pieter Weening, der zuletzt auch bei der Tour de Suisse eine schwere Bergetappe gewann, zu den Top-Stars. Mit an seiner Seite kommt der frisch gebackene Gewinner der Tour de Suisse-Bergwertung Antwan Tolhoek! Wanty - Groupe Goubert hat mit dem Belgier Thomas Degand, im Vorjahr Achter bei der Österreich Rundfahrt und 2014 Zehnter, einen starken Rundfahrer am Start. Zu beachten ist in der belgischen Mannschaft auch der Franzose Martin Guillaume. Der kletterstarke 23-Jährige hat im letzten Jahr Lüttich-Bastogne-Lüttich der U23-Fahrer gewonnen. Im Team Delko Marseille Provence KTM zählt der Franzose Julien El Fares, 2009 Gesamtsieger der Tour de Wallonie und im selben Jahr Etappensieger bei Tirreno-Adriatico, zu den Favoriten. Ebenso wie sein spanischer Teamkollege Delio Fernandez, vor zwei Jahren Gesamtdritter bei der Portugal-Rundfahrt.

Ein ehemaliger Podiumsfahrer ist auch heuer wieder dabei: Der Slowene Jure Golcer, der 2007 bei der Rundfahrt den dritten Platz belegte. Im Schweizer Team Roth gilt der Portugiese Bruno Pires, 2012 Gesamtvierter bei der Slowenien-Rundfahrt, zu den Hoffnungsträgern. Starke einzuschätzen ist auch die australische Equipe Drapac. „Die kommen mit einer jungen Truppe, allen voran Brandan Canty, der heuer zweit Tage lang das Leadertrikot bei der Oman-Rundfahrt trug und schließlich Gesamtsiebenter wurde. Bei den Oceanic-Meisterschaften belegte er heuer auch den zweiten Platz. Und 2015 holte auch Gavin Mannion bei der USA Pro Challenge einen respektablen vierten Platz“, erläutert Rohregger.  

3 ÖRV-Eisen im Feuer

Aus österreichischer Sicht hat Thomas Rohregger drei Hoffnungsträger für das Gesamtklassement im Köcher: „Tirol-Profi Clemens Fankhauser (Silber bei den Zeitfahrmeisterschaften und Gewinner der Irland-Rundfahrt 2016), der ebenso wie die beiden Felbermayr Simplon-Wels-Profis Markus Eibegger (Gewinner Aserbeidschan-Rundfahrt 2016) und dem OÖ-Rundfahrtssieger Stephan Rabitsch eine starke Saison bestreitet.“

Sprinter im Feld

Für den Bergprolog in Kitzbühel hat Rohregger vor allem Bahn-Crack Andreas Graf (Hrinkow) auf der Rechnung, ebenso wie Roth-Profi Matthias Krizek, der wieder in Fluchtgruppen den Erfolg suchen wird. Neben den starken Sprintern Gerald Ciolek (U23-Weltmeister und Sieger Mailand-San Remo), Anthony Turgis (2. Platz Paris-Roubaix 2012, 4. Platz LÜttich-Bastogne-Lüttich), Björn Thurau, Marco Marcato (Paris-Tours-Sieger), dem Bardiani-Fahrer Simone Sterbini zählt Astana-Profi Alessandro Vanotti zu den schnellsten Leuten. „Alessandro ist quasi der Bernhard Eisel von Astana, ein endschneller Mann, der schon zwei Etappensiege bei der Vuelta zu Buche stehen hat.“

Die Chancen der heimischen Teams

Von den heimischen Teams zählt der Schweizer Vorarlberg-Legionär Patrick Schelling zu den Hoffnungen. „Leider ist dem Team der starke Portugiese Sousa durch eine Verletzung ausgefallen“, sagt Rohregger. Für das WSA-Greenlife-Team soll der Deutsche Florian Bissinger, 2011 und 2014 Gewinner der Wiesbauer-Radbundesliga und 2011 Gesamtsieger der Tour of Szeklerland, die Kohlen aus dem Feuer holen. Bei Amplatz-BMC sind der neue slowenische Staatsmeister Jan Tratnik, Gewinner der „Flyeralarm“-Punktewertung 2015, Andi Bajc und Maximilian Kuen die Stützen. „Gespannt bin ich hier auf die Leistungen des ausgezeichneten Mountainbikers Hermann Pernsteiner“, so Rohregger. Für Hrinkow sollen Josef Benetseder, Andreas Graf und Dominik Hrinkow bei Etappenankünften brillieren und das Team Tirol schickt neben Clemens Fankhauser vor allem zwei sehr gute Sprinter - Alexander Wachter und Martin Weiss - ins Rennen. Und last but not least das Team Felbermayr Simplon Wels, das mit dem Routinier Markus Eibegger und Nachwuchshoffnung Stephan Rabitsch zwei heiße Eisen im Feuer hat!

„Alles in allem sind viele junge Fahrer am Start. Ich denke, dass gerade das die große Chance für die Österreicher sein kann“, schließt Rohregger.