Wie vor allen Wettkämpfen der Challenge-Serie lag wieder dieses gewisse Etwas in der Luft. Eine Mischung aus familiärer Gelassenheit und nervöser Wettkampfvorbereitung legte an diesem kühlen Sonntagmorgen eine besondere Spannung über den spiegelglatten Walchsee. Das Wetter war, nach den Kapriolen der Vortage, den knapp 2000 Startern gnädig gesinnt. Neben unzähligen Agegroup-Athleten aus allen Teilen der Welt trieb es auch einige der besten Profis in den Kaiserwinkl. Allen voran der Weltrekordler auf der Langdistanz, Andreas Raelert, der auf ein hartes Rennen gegen Bracht, Schildknecht, Fromhold, Pais oder den Rest des endlos langen Profifeldes vorbereitet war. Auch bei den Damen standen mit Mary Beth Ellis und Gina Crawford zwei der stärksten Athletinnen im Langdistanzzirkus an der Linie. Die klingenden Namen versprachen einiges an Spannung und vielleicht konnte ja auch einer der Top-Österreicher vorne mitmischen.
Pünktlich um 8 Uhr schickte ein Kanonenschuss die erste Welle auf die 70.3 Meilen. Das Schwimmen verlief für mich wie üblich sehr komfortabel und so stieg ich nach knapp 29min, mit 5min Rückstand auf die Spitze aus dem Walchsee. Mein Ziel war es natürlich nie den Anschluss an irgendwen zu halten, 5min Abstand zu Raelert und Co. kann ich mit 5 Trainingskilometern pro Woche aber verkraften.
Dann fing der Wahnsinn aber auch schon an. Im Wechselzelt war ich zu erst nicht fähig den Neo auszuziehen, später schaffte ich es nicht die Windjacke anzuziehen. Die Wechselzeit in T1 lag jenseits der 3 Minuten, was natürlich eine indiskutable Leistung ist. Aber gut, mein Ziel für heute lag bei einem sub 4'30 Finish und 1-2 Minuten kann ich schon irgendwo, irgendwie zulaufen, dachte ich zumindest. Spätestens nach den ersten 5 Radkilometern wußte ich aber, dass die Beine nicht das hergaben, was ich mir von ihnen versprach. Ich hatte mir vorgenommen kontinuierliche 250 Watt zu treten, was im Training auch nie ein Problem darstellte, konnte das Vorhaben aber nicht annähernd umsetzten. Nach dem Radfahren zeigte mein CycleOps mickrige 237 Durchschnittswatt, was mir eine schwache Zeit von 2h40min bescherte. Die Jungs um Raelert und Co. brannten währenddessen Radsplits in den Asphalt, dass ich hier während des Schreibens in ehrfürchtiges Nicken versinke. Um kurz zu resümieren: Ich konnte keinen der 93 Radkilometer in irgendeiner Art und Weise genießen, sondern bin, je länger das Rennen dauerte, immer mehr in Selbstmitleid versunken.
Nach ca. 3h15min fuhr ich mein Rad in die Wechselzone. Eigentlich komplett demotiviert, regten sich die Lebensgeister in mir, als ich meine Oma, die mit dem Rest der Familie angereist war, jubelnd am Zaun sah. Dass ich mein Ziel nicht erreichen würde war da schon klar, also wollte ich zumindest der Verwandtschaft noch einen ansprechenden Laufsplit liefern. Der Halbmarathon rund um den Walchsee ist wahrlich ein Genuss, auch wenn er A nicht flach und B etwas zu lang ist. Die Stimmung, die Zuschauer und die Landschaft treiben einen hier förmlich zu Höchstleistungen. Ich lief die ersten zwei Kilometer etwas zu zügig an, pendelte mich aber bei einem soliden Tempo ein und konnte mit der 18ten Laufzeit noch in 4h38min finishen. Das war fast genau 50min nach dem Sieger Andreas Raelert, der nebenbei auch noch den Streckenrekord pulverisierte und damit Timo Bracht und Nils Fromhold auf die Plätze verwies.
Bester Österreicher und somit Staatsmeister über die Double-Olympic Distance wurde Daniel Niederreiter. Christoph Lorber und Christian Birngruber hatten das Nachsehen.
Bei den Damen sicherte sich Gina Crawford den Sieg vor Mary Beth Ellis und der deutschen Daniela Sämmler. Staatsmeisterin wurde Eva Wutti, die sich den vierten Gesamtplatz schnappte.
Wie lautet also mein Resumee nach diesem misslungenen Rennen? Ich habe das Positive mitgenommen und werde am Negativen arbeiten sagt man doch so schön, oder? Dass ich schnell laufen kann weiß ich, dass ich passabel schwimmen kann weiß ich auch, aber ich hatte mir doch erhofft um einiges besser radzufahren. Das größte Erfolgserlebnis war dann, dass mein Magen keine Probleme machte und ich beim Laufen voll durchziehen konnte. Das macht Hoffnung und gibt Motivation für die nächste Saison, die mit der "Mission Radform" bereits im Winter startet.
Zur Challenge Walchsee gibts nur eins zu sagen: Daumen hoch, super Wettkampf, super organisiert, super Strecke, super Helfer, super Publikum und wenn ihr nächstes Jahr paar Nudeln mehr kocht, dann gibts statt 99 sogar 1oo von 100 möglichen Punkten. Dieses Rennen braucht sich spätestens seit der 3. Austragung vor keinem Wettkampf in Europa mehr verstecken und hat einen Fixplatz im Rennkalender eines jeden Triathleten verdient. Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall wieder am Start, dann aber mit mehr Saft in den Beinen und weniger Zweifeln im Kopf.
Auf bald....