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Röchl – Triathlet

Satire rund um den Ausdauersport

Röchl reibt sich gähnend den Sand aus den Augen und verflucht sein Google-Smartphone, das mit einer unsäglichen Melodie an das Mittwochmorgen-Schwimmtraining erinnert. Einen mechanischen Wecker hat der Web 2.0 Freak und Facebook-Junkey schon lange nicht mehr und Opas edles Blecherbstück ist wohl einer dieser Säuberungsaktionen nach dem Umzug ins neue Haus vor einem Jahr anheim gefallen.

Es ist 5:30 Uhr und ab 7:00 Uhr sollte im städtischen Hallenbad gekrault werden, doch Röchl hat sich gestern Abend wieder einmal bei der Beschickung seiner eigenen Homepage mit niemandem außer ihm selbst interessierenden Trainingsdaten verschlissen. Trainingsdaten ist zu viel gesagt, besser wäre Stagnationsdaten. Röchl hat sich für 2010 den Ironman in den Kopf gesetzt und befindet sich seit Jänner praktisch ständig im Übertraining.

Tapsig ereilt er den Sportschrank im noch nicht fertig gefliesten Keller und ertastet intuitiv ein Stück chlorparfümiertes Etwas, das gemeinsam mit einem Badetuch, einer Schwimmbrille, einem Duschgel, zwei Paddles und dem unverzichtbaren Pullbuoy in einem Finisherrucksack („Parkbad Sprintdistanz – Ich war dabei“) verstopft wird.

Vor dem Haus Gehupe. Die Schwimmgemeinschaft wartet schon. Im Haus Geschimpfe eines Eheweibes, vorhersehbar wie lästig! Schnell den Eiweißdrink runtergespült und nichts wie weg, denkt Röchl, bevor ihn die bessere Hälfte an die Mitnahme des Leergutes erinnert und ihn so vor seinen Freunden des Sportheldenstatus aller Altersklassen beraubt.

Müde sperrt Röchl seinen Spind auf und denkt daran, wie schwierig es war, diese eine Bahn (für 8 Schwimmer zu bekommen). Da kann man nicht kneifen, auch wenn das Talent eigentlich nicht vorhanden zu sein scheint. Auf ein paar halbherzige Aufwärm- und Dehnübungen, die vielmehr an einen akuten Hexenschuss erinnern, folgt ein heldischer Sprung ins kühle Chlor, gefolgt von einigen martialischen Kraulzügen, die jedoch in der Mitte der 25 m Bahn kläglich enden, da Röchl Wasser in die Luftröhre bekommen hat. Gelächter bei den Vereinskollegen! Doch Röchl lässt sich nicht beirren und versucht weiter, auf eine Rekordzeit über 1000 m zuzuschwimmen. Gerade eben steht er bei 22 min, was bedeutet, dass seinen Eintritt die örtliche Gebietskrankenkasse refundiert.

Pfeilschnell und mit eleganten, geschmeidigen Armzügen gleitet die Mehrheit von Röchls Kollegen die Bahnen auf und ab. Nahezu perfekte Rollwenden ergänzen das ästhetische Bild. Nur Röchls Bahn bietet ein anderes Bild. Würde ein Sportfischer am Beckenrand sitzen, käme man auf die Idee, ein Karpfen hätte sich im Netz verfangen. So ist es aber nur Röchl, der sich mühsam die Bahnen auf und ab quält und alle 100 m auf die Uhr schaut.

Nach ca 500 m folgen die Technikübungen. Röchl klemmt den Pullbuoy zwischen die Beine und befestigt an seinen Handinnenflächen die Paddles. Interessant, dass sich bei ihm auch mit Pullbuoy die Wasserlage nicht sichtbar verbessert! Dafür ist ihm eine Schwimmerschulter garantiert, wenn er weiter so mit den Paddles in die Fluten drischt. Auf einmal ruft ihm der Obmann zu:“ Was ist, Alter, bist bös auf das Wasser?“. Röchl röchelt was aus der Seitenlage, kommt aber mit dem Einatmen nicht zurande, da er noch immer beim Ausatmen ist und inhaliert wieder einen kräftigen Schluck Chlor, mäßige Stadtlage, knapp 22 Grad.

Nachbesprechung des Trainings unter der Dusche. Röchl ist stolz, seine Zeit um sage und schreibe 3 Zehntelsekunden verbessert zu haben. Wir vom Triathlonverein desillusionieren ihn damit, dass diese Dreizehntel wohl eher auf ein rascheres Drücken der Mode-Taste seines Garmin zurückzuführen sind, als auf irgendeine eher unmögliche Verschnellerung seiner Eisbrechertechnik. Röchl lässt sich aber nicht beirren. Er doziert, dass auch Jonny Weissmüller so wie er geschwommen sei und erwähnt als Beweis den Film „Tarzans größtes Abenteuer“.

„Alter“, unterbreche ich, „erstens hatte Jonny Weißmüller im kleinen Mittelfinger mehr Gefühl für eine gute Wasserlage als du in deinem grillgestählten Kotelettkörper und zweitens musste der Olympiasieger im Film wohl ganz gezielt das böse Krokodil im Auge behalten“. Gelächter im Verein. „Oder hast du irgendwo ein Krokodil gesehen,“ spotten wir weiter, „wahrscheinlich hat dich die dicke Alte da drüben auf der Rentnerbahn abgelenkt“.

Abschließend empfehlen wir vom Triathlonverein Röchl anstelle des Ankaufes eines 800 Euro X-Terras lieber die Verwendung eines Lendenschurzes samt Tarzan-Messer. Den Schrei beherrscht Röchl ja schon, wenn er wieder zu viel Wasser geschluckt hat. Und die Kindergruppe soll doch auch was zum Lachen haben.