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Es bleibt trocken

Renntag: um 05h15 schüttet es in Linz wie aus Kübeln. Wie schon am Tag zuvor. Dabei hat uns Christa Kummer vor wenigen Stunden versprochen, der Sonntag würde im gesamten Donauraum regenfrei bleiben. So kann man sich täuschen.

Es regnet auf der Fahrt nach Melk, 13°C. Die Temperatur wäre schon in Ordnung. Der Windsack auf der Donaubrücke stand 2015 waagrecht und zeigte stromaufwärts, heute ist es besser, wir haben Westwind. In Schallemmersdorf hört es auf zu regnen, da ist km7 beim Marathon. Die Straße B3 bis Krems bleibt trocken. Krems liegt 30km nördlich von St. Pölten am östlichen Rand der Wachau sowohl an der Donau als auch an der Krems und hat 24.400 Einwohner.

Nachdem ich kurz nach 07h00 meine Startnummer und den gut gefüllten Goodie-Bag habe ziehe ich mich um und begebe mich zum Bahnhof. Hedi kommt mir entgegen, sie hat Johann und Günther bereits bei den Bussen abgegeben und somit vorerst frei.

Feucht wird es wieder, als wir mit dem Bus nach Emmersdorf gefahren werden und der Chauffeur den Schalter für die Lüftung nicht findet. Die Scheiben beschlagen, es ist ungemütlich stickig im Bus, 50min lang. Draußen ist es dann gut.

Nach und nach bringen die Busse Läufer, ich treffe Freunde und Bekannte. Das gefällt mir immer wieder. Schließlich schafft es sogar Franz Hofer rechtzeitig zum Start. Mit Musikunterstützung geht es um 10h00 los. Inklusive der Staffeln laufen 676 LäuferInnen in Emmersdorf los, zuerst Richtung Linz, also Gegenwind, nach 2,5km die Wende, dann Richtung Krems, dort ist das Ziel.

Bei km3 beginnt es für ein paar Minuten zu regnen, es wird eine Spur kühler, 16°C in etwa.

Die Helfer der ersten Labestelle haben alles vorbereitet. Schon nach 5km gibt es Coca-Cola, Powerade, halbierte Isostar-Riegel und zu Beginn der Labestelle sowie am Ende Wasser in Bechern. Wir werden verwöhnt, viel besser geht es nicht. Die erste Zwischenzeit gibt es nach 5,6km.

Der 4h-Pacer setzt sich ab mit seinen Co-Läufern, ich kann sie noch lange sehen. Es geht links flach an Kukuruzfeldern vorbei, rechts die Donauauen. Zwei Buben, etwa 4 und 5 Jahre alt, laufen ein Stück mit und werden vom örtlichen Polizisten angefeuert. Die haben richtig Spass, bis sie ihre Mutter einfängt. Kurz nach dem ersten Staffelwechsel die 10km-Zwischenzeit: 58:30 für mich bis daher.

Km12, es beginnt zu regnen. Aggsbach Markt, die Blasmusik spielt auf. Erst regnet es nur zögerlich, dann immer intensiver. Der Radweg ist von Buchenästen überdacht, hier bleibt es noch eine Weile trocken. Nach km14 verlässt der Radweg vorerst die B3, damit hat das Blätterdach ein Ende. Es geht weiter stromabwärts, immer auf der B3. Auf meine Poweradeflasche in der Hand könnte ich heute sogar verzichten, schon km15 und sie ist immer noch voll. Ich muss aus der Flasche trinken, damit der Ballast weniger!

Die Feuerwehrleute aus Willendorf (ja, von hier stammt die berühmte, 1908 entdeckte Venus-Figur aus dem Jungpaläolithikum), sitzen heute in ihrem Feuerwehrzeughaus. Um am Streckenrand zu stehen, wie ich es von Ihnen gewohnt bin, ist es Ihnen heute zu nass. Stimmt nicht ganz, immerhin zwei Florianijünger trotzen der Witterung.

Wenn es kein Obst mehr zu kaufen gibt, kann man es hier in flüssiger Form erwerben.

Wein, Schnäpse und in der Wachau darf natürlich der Marillenlikör nicht fehlen.

Km18, es gibt schon wieder eine Labe, die Intervalle werden kürzer. Mittlerweile regnet es ganz ordentlich, das Wasser steht auf der Straße und findet dadurch in meine Schuhe, das stört mich nicht weiter. Ich versuche auf der etwas erhabenen weißen Sperrlinie zu laufen, die ist aber rutschig. Meine heutigen Laufschuhe passen wie angegossen. Ab km19 regnet es nicht mehr. Geringfügige Anstiege vor Spitz bevor es bei km20 einmal spürbar bergab geht. Zwei junge Mädchen mit Ponyzopf haben sich viel zu erzählen unterwegs, bei der Solariumbraunen rechts berühren die Fersen nicht einmal den Boden, Ballenläuferin. Beide laufen Staffel und haben noch 1km vor sich.

Halbmarathon in Spitz, 3.800 Halbmarathonis sind hier vor 2h07min gestartet.

Der HM-Sieger aus Kenia ist seit über einer Stunde im Ziel, er hat die Distanz in beachtlichen 59:53 bewältigt!

Die Labestelle ist nach der Zwischenzeit. Cola, Iso, Wasser, Bananen, Isostar-Riegel, alles da. Ich fische mein erstes PowerGel aus der mittigen Hosentasche. Höchste Zeit dafür, mir geht etwas der Bumms aus.

Wenn man weiß wo es steht sieht man links etwas abseits das pittoreske Film Hotel „Mariandl“, zugleich Gunter Philipp Museum, Eintritt € 3,- pro Person, bei Konsumation im Hotel Eintritt frei, hat heute bis 18h geöffnet.

Die Kirche in St. Michael - anno 987 erstmal urkundlich erwähnt - sieht irgendwie englisch aus, ist römisch-katholisch. Der Kirchturm hat ein flaches Dach, wie der Turm einer Festung mit Zinnen. Wo die steht, war seinerzeit eine keltische Opferstätte.

Starker Schiffsverkehr heute auf der Donau, nicht nur Kreuzfahrtschiffe und Ausflugsboote fahren da, auch Güter werden transportiert. Auf einem Frachter stehen an die 100 Suzuki Vitara an Deck und schwimmen Richtung Oberösterreich.

Ab Wösendorf häufen sich die Weingüter. Besonders renommiert ein Stück weiter in Joching Weingut Holzapfel und Jamek, die lassen sich ihren Namen den sie sich gemacht haben fürstlich bezahlen, kann ich mich erinnern.

In Weißenkirchen stehen vor einem Restaurant Raucher die uns anfeuern. Das ist bemerkenswert, denn Publikum gibt es bei diesem Marathon nicht viel. Dünn besiedelt die Wachau, dafür ist Landschaft umso schöner.

Bei km25 regnet es wieder ein bisschen, wie im weiteren Verlauf immer wieder. So also ist das Wetter, wenn die Wetterlady sagt: „Es bleibt trocken.“

Langsam nähern wir uns der Startstelle des 11km-Laufs, 1.550 Starter waren es hier. Lächeln, bei dieser Zwischenzeit wird wieder gefilmt!

Dürnstein kommt in Sicht, unverwechselbar mit dem blau-weißen Turm der Stiftskirche. Auf der Burg Dürnstein, nun Ruine, wurde ab Dezember 1192 der von Leopold V. gefangen genommene englische König Richard I. (Löwenherz) 4 Monate lange bei Hadmar von Kuenring gefangen gehalten.

Das Lösegeld das schließlich nach vielen Verhandlungen bezahlt worden ist, Richard I. sass mittlerweile bei Heinrich VI. auf Burg Trifels in Rheinland-Pfalz fest, hat den englischen Staat fast ruiniert. Aber das ist eine andere Geschichte und keine kurze.

Bevor es in den Tunnel geht werden wir wieder ausgiebig gelabt, als es gerade wieder zu regnen beginnt. Im Tunnel ist es trocken und da bleibt es auch trocken, 478m lang. Ich nehme mein zweites PowerGel.

Meine verspannte Schulter-Nacken-Muskulatur hat sich entspannt, ich transportiere nun auch nicht mehr so viel Gewicht mit in meiner Flasche, zwei Schluckerl vielleicht.

Nach dem Tunnel lauern auf der B3 die Fotografen. Hier können Sie uns mit der Ruine im Hintergrund ablichten und das tun sie auch eifrig. Bei der Donauanlegestelle Dürnstein laufen wir eine Schleife, außerdem ist dort der letzte Staffelwechsel. Ein paar Schlussläufer sind noch da und warten darauf ihren Teil des Rennens in Angriff nehmen zu können.

Beim U-turn nach km33 sehe ich dass es nicht mehr lange dauern wird, bis mir der sub-4h29:59-Pacer auf die Fersen treten wird. Das möchte ich möglichst lange hinaus schieben. Die Urtrommler bearbeiten eifrig ihre Instrumente. Wieder auf der B3 das 34,1km-Schild. Ich rechne ich darf pro km 1min auf ihn verlieren und bin immer noch unter 4h40 im Ziel, ein bisschen schneller also als vor zwei Wochen in der Fränkischen Schweiz. Naja.

In Loiben sitzt in einem Wanddurchbruch eine einzelne Trommlerin und nutzt die gute Akustik. Das hat etwas Meditatives, sie nickt mir lächelnd zu.

In Unterloiben, km36, gibt es wieder Nahrungszufuhr. Ich suche Powerade, gibt es da nicht. Außer Wasser hat man Isostar-Gel. Also Isostar-Gel, rein damit.

Mir fällt auf, dass es mir immer besser geht. Überholen tut mich auch niemand mehr.

Ganz im Gegenteil, ich bin es der Plätze gut macht. Das fühlt sich gut an.

„Ende der Wachau“, ich muntere Werner Kroer auf: „Das meiste haben wir schon!“ Er ist gerade dabei, seinen letzten der „Big 6 Austria“-Marathons zu absolvieren. Dieses Projekt habe ich vor einem Jahr in Bregenz abgeschlossen.

Kreisverkehr, unter der Brücke durch, Stein. Gefängnis für richtig schwere Jungs, aber auch Standort der Donauuniversität für Zahnmedizin.

Es läuft wunderbar für mich. Weg von der Donau, weg mit meiner Powerade-Flasche. Km39, ich will unter 4h30 ins Ziel und zwar möglichst deutlich. Ich laufe auf das Zielportal zu, dort ist 4h 13min xxsec zu lesen. Das Gemeine am Wachau-Marathon: du siehst das Ziel unmittelbar vor dir, hast aber immer noch über 2km zu laufen.

Links weg, Hedi und Johann, der den halben gelaufen ist, warten auf Günther. Der ist zu dieser Zeit allerdings schon im Ziel und strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Ich laufe auf das sehenswerte Steiner Tor zu, das Wahrzeichen von Krems.

Da überholt mich ein junges Pärchen. Sie habe ich vorhin am Streckenrand stehen sehen. Jetzt macht sie ihm den Schrittmacher. Ich hänge mich dran. Den hole ich mir.

Nachdem wir den Stadtpark umlaufen haben gelangen wir zur 1 km langen Zielgerade,

nun das Ziel im Rücken. Die letzte Labestelle, einen Schluck Cola für mich.

Das 40,1km Schild, links ab in die Gassen. Der junge Mann blickt bei jeder Kurve über seine Schulter und immer sieht er mich. Er kürzt ab über die Randsteine, leichte Anstiege.

Km41,1km, die Autos stauen auf der Ringstraße, links davon fließt die Krems. Keine 150m, dann geht es in rechtem Winkel ab auf die Zielgerade. Hier gibt es Zuseher, hier werden wir angefeuert. Fast zwei Stunden sind vergangen, seit Ben Gamble hier als Führender entlang gelaufen ist.

Ein letzter Spurwechsel, ich laufe zwischen dem „Gespann“ durch, dann bin ich auf dem orange-farbenen Teppich und schließlich deutlich unter 4h30 im Ziel.

Meine drittbeste Zeit heuer, nachdem ich die letzten Marathons alle bei hoch-sommerlichen Temperaturen gelaufen bin.

Ein weiblicher Sparefroh dekoriert mich mit der Erinnerungsmedaille. Gerhard begrüßt mich im Ziel. Er ist heute seinen 590. Marathon gelaufen und wartet auf seine Helene, die ihre Alterklasse gewinnen wird. Meine Zeit: 4h 27min 53,4sec

Am Weg zur Ziellabe, vorbei am Massagezelt höre ich, wie der Zielsprecher den sub- 4h30-Pacer ankündigt.

 

Sieger: Ben Gamble UK 2:32:59 Siegerin: Christina Oberndorfer AUT 3:08:22

 

Marathonfinisher: 532 (103 Frauen + 429 Männer), nur 18 DNF

 

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Startgeld 70,- EURO, darin enthalten:

Transport zum Start per Bahn, Bus oder Schiff

hervorragende Labestellen:

erst alle 5km, dann kürzer, mit IsoStar, Powerade, Bananen, Coca Cola, Römerquelle

Kleine Finishermedaille (gegen Aufpreis mit Gravur)

Ziellabe: Weckerl, Kuchen, Erdinger alkoholfrei, Äpfel, Bananen; Powerade

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