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Nach dem Rennen ist ... es meistens zu spät.

"Wie ist es dir gegangen?" Unter Sportlerkollegen ist dies aktuell die wohl häufigste Frage, die man gestellt bekommt. Sofern man im Vorfeld den eigenen Bekanntenkreis darüber informiert hat, dass man in Linz beim Triathlon startet bzw. nach dem Rennen durch die Blume dies bei diversen, zufällig sich ergebenden Gesprächen kund tut. Verständlich - denn Herr und Frau Triathlet/in will ja das Geschehene verarbeitet haben wollen. Die Psyche muss bereinigt werden. Wer mir jetzt Zynismus vorwerfen will, der könnte womöglich Recht haben.

Was dabei auffällt - und ich nehme mich da selber nich aus - ist die Tatsache, dass selten jemand von der eigenen Leistung schwärmt. Das fängt beim Sieger an und endet beim Letzten (was hier noch verständlich ist).  Und es fällt auf, dass Analyse eine noch wichtigere Disziplin ist. Eine, die wohl alle beherrschen. Da gibt es allen voran die eigene Analyse. Also, was man selber nicht alles faslch (! ja, das "Falsche" kommt immer zuerst) und letztendlich aber doch richtig gemacht hat.  Dann auch die eigene Anlalyse der Leistung anderer. Also das "Hochheben" der Leistung jener, die hinter einem gelandet bzw. geblieben sind. Trotz starkem Auftritt, enormen Training, wissenschaflticher Betreuung. Das hat den Nebeneffekt, dass man gleichzeitig die eigene Leistung honoriert. Wenn starke "Gegener" in der Ergebnisliste hinten zu finden sind, dann muss man selber ganz gut gewesen sein. Eigentlich eine geniale psychologische Taktik.

Dann gibt es noch die perfiden unter uns, welche die gute Leistung der vorrangigen Kollegen und Gegner "schlecht" reden. Eigentlich hätte man sich von diesen viel mehr erwartet. Beim Schwimmen, da man im Training immer nach Nachsehen hatte. Und zwar deutlich. Beim Radfahren. Denn mit neuem Rad und Tropfenhelm hätte man schon mindestens ein paar Minuten mehr herausholen müssen. Und beim Laufen. Denn das ist ja eigentlich die stärkste Disziplin. Das wird "denen" auch ins Gesicht gesagt. Diplomatisch. Versteht sich von selbst. Diese Technik schließt nahtlos an die erstere an (also das Loben der hinten gebliebenen). Denn auch dieser Schmäh hat nur ein Ziel. Die eigene Leistung theoretisch zu verbessern. Da trainiert jemand viel mehr als man selber trainiert hat und ist "nur" ein paar Minuten schneller bzw. platziert sich "nur" ein paar Plätze davor.

Wehe aber, wenn die "anderen" die eigene Leistung beurteilen. Dann kommt es schon vor, dass man hier in Erklärungsnotstand gerät. Eine Auswahl an Ausreden könnte Bestandteil eines eigenen Blogeintrages sein. Die Top 5 sind sicher:

_eine ungerechtfertige penalty Strafe (man wollte ja nur überholen - ca. 3 Minuten lang)
_eine falsche Abzweigung erwischt (siehe auch Wendlinger in Salzburg)
_zu wenig getrunken bzw. gegessen (ganz was Neues)
_man wollte sich schonen (für wen?)
_Kreislauf, Durchfall, Erbrechen, Pest, Cholera, Herzinfarkt

Letztere Ausrede führt dazu, dass man sich mit derartigen Aussagen den Status "Held" und "Man/Woman of the race" erschleichen will. Was psychologisch auch von Vorteil sein kann. Vom Ego ganz zu schweigen.

Und wenn andere über die anderen berichten, lästern oder diskutieren? Dann hört man zu und lernt. Lernt Techniken, Taktiken, Argumente, Ausdruckformen und Wortschätze. Denn das nächste Rennen kommt bestimmt. Und damit verbunden wieder eine "gute" Leistung.

Ach und noch eins bevor ich es vergesse? Wie ist es Ihnen eigentlich in Linz gegangen? Oder soll ich fragen, wie wollen Sie dass es Ihnen in St. Pölten gehen soll? Von Klagenfurt ganz zu schweigen.