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Leistungsentwicklung von Triathleten im Alter

Einleitung:

Mit den in den Jahren 2010 bis 2013 gesammelten Leistungsdaten von Österreichern und Österreicherinnen bei Triathlons haben wir versucht, den Einfluss des Alters auf die Leistungsfähigkeit bei Triathlonbewerben zu analysieren. Die Daten sind in Form einer „Rangliste“ unter der Webadresse http://triathlonliste.topsportaustria.at öffentlich einsehbar und können dort auch analysiert werden.

Um die Leistungsentwicklung untersuchen zu können, wurde das von uns entwickelte (mathematische) Verfahren angewandt, das es erlaubt, die einzelnen Leistungen in unterschiedlichen Bewerben vergleichen zu können. Details zu diesem Verfahren finden Sie unter:
http://www.topsportaustria.at/article/leistungsentwicklung-im-triathlon-österreich

Es wurden 57.871 Ergebnisse von 13.534 Personen (10.907 Männer – ca. 80% und 2.627 Frauen – ca. 20%) in die Analyse mit einbezogen.

Wie verändert sich die Leistung mit dem Lebensalter?

Es wurden die Mittelwerte der Leistungen gruppiert nach Alter zum Zeitpunkt des Bewerbs berechnet. Im Bereich von 14 Jahren bis 63 Jahren waren pro Altersgruppe genügend Daten vorhanden, um statistisch aussagekräftige Resultate zu erhalten.

Wir normieren die Leistungsdaten so, dass der mittleren Leistung der 30-jährigen der Wert 1 zugeordnet wird. Werte größer als 1 für eine Altersgruppe bedeuten bessere Leistungen, Werte kleiner als 1 schlechtere Leistung als die der 30-jährigen. So würde 0,8 für eine Altersgruppe bedeuten, dass sie 80% der Leistung der 30-jährigen erbringen.

Die Daten für die Gesamtleistungen und Splits (Schwimmen, Rad und Laufen) über alle Athleten und Athletinnen hinweg ergeben folgende Werte:


Abbildung 1: Altersbezogene Leistungen im Gesamtergebnis (schwarz), Laufen (rot), Radfahren (grün) und Schwimmen (blau)

Nach dem Leistungsanstieg bis zum 20. Lebensjahr folgt eine Phase bis zum 35. Lebensjahr in dem die Leistung etwa konstant bleibt, gefolgt von einem linearen Abfall bis ca. zum Alter von 50. Ab einem Alter von 50 Jahren wird der Abfall der Leistung stärker.

Die Gesamtleistung, in Abbildung 1 mit Total gekennzeichnet, zeigt einen sehr ähnlichen Verlauf zu den Einzeldisziplinen Radfahren und Laufen. Die erste Disziplin im Triathlon, das Schwimmen, zeigt in ihrem Verlauf einen deutlichen Unterschied.

In den jüngeren Jahrgängen (bis zum Alter von etwa 20) sind die Teilleistungen im Schwimmen in den Jahren 2010-2014 deutlich überdurchschnittlich. Danach kommt es zu einem starken Rückgang der Schwimmleistung auf etwa das Niveau der anderen beiden Disziplinen. Ab dem Alter von etwa 30 Jahren zeigt sich ein deutlicher Abfall der durchschnittlichen Leistungskurve im Schwimmen gegenüber dem Radfahren und Laufen.

Ebenfalls zu beobachten ist, dass die Radleistung in den jüngeren Jahrgängen, bis etwa zum Alter von 23, zwar dem Trend der Teildisziplin Laufen und der Gesamtleistung folgt, aber im Schnitt das Leistungsniveau eher darunter liegt. Ab dem Alter von 35 zeigt sich später der umgekehrte Trend zum Schwimmen, das Leistungsniveau im Radfahren bleibt mit zunehmendem Alter die leistungsstärkere Disziplin.

Worin liegen die möglichen Ursachen für diese Trends?

Die verbesserten Leistungen im Schwimmen und etwas unterdurchschnittlichen Leistungen im Radfahren in den Altersklassen von 15 bis etwa 20 Jahren lassen sich möglicherweise mit der Fokussierung vieler junger Athletinnen und Athleten auf die olympische Distanz im Triathlon erklären. Sehr frühzeitig werden entsprechende Akzente vor allem im Schwimmen und Laufen gesetzt, um später auf der olympischen Triathlondistanz die benötigten Spitzenleistungen erbringen zu können. Im Altersbereich bis etwa 20 Jahren werden die Sprintbewerbe oft als Einstiegs- oder Trainingsbewerbe genutzt; die jungen Sportlerinnen und Sportler können über diese kürzeren Distanzen bereits ihr Leistungsvermögen zeigen und dies zeigt sich beispielsweise in der vorliegenden Auswertung in einem entsprechend hohen Schwimm-Leistungsniveau bei den sehr jungen Sportlerinnen und Sportlern. Und: das abschließende Laufen im Triathlonsport ist die wettkampfentscheidende Disziplin im olympischen Triathlon geworden – auch hier muss bereits in jungen Jahren ein entsprechend hohes Niveau erreicht werden, um später auf der olympischen Distanz im Triathlon bestehen zu können. Das leistungsorientierte Radfahren wird vor diesem Hintergrund oft etwas später in das Training integriert. Da wir bei der Analyse unserer Daten auf Rennen mit Windschattenverbot zurückgreifen, fällt daher in den jüngeren Jahrgängen das noch reduziertere Radtraining mehr ins Gewicht und zeigt sich als leicht unterdurchschnittliche Leistung gegenüber dem Laufen und Schwimmen.

Gerade im Bereich Schwimmen wird es interessant sein zu beobachten, wie sich die Leistungsentwicklung in den nächsten Jahren fortsetzt, beispielsweise ob die Athletinnen und Athleten welche heute diesen enormen Leistungsvorteil haben, diesen mit zunehmendem Alter weiter mitnehmen.

Dass die Schwimmleistung ab einem Alter von ca. 30 Jahren etwas gegenüber den anderen Disziplinen abfällt, überrascht kaum. Im Altersbereich von 20-30 Jahren haben viele Triathleten und Triathletinnen in den letzten Jahren ihr schwimmerisches Niveau soweit verbessert um den Anschluss an die Elite halten zu können. Jene Generation, welche heute über 30 ist, hat das Schwimmen im Kindes- und Jugendalter oft nur unzureichend gelernt. Hier lässt sich das Leistungsniveau später nur noch schwer auf ein sehr hohes Niveau bringen, daher zeigt sich in der Grafik ein deutlicher Abfall der Trendlinie.

Radfahren lernen aber bereits sehr viele Menschen im Kindes- und Jugendalter, daher ist es auch hier leicht nachzuvollziehen, warum das Leistungsniveau in dieser Teildisziplin so lange auf einem relativ hohen Niveau gehalten werden kann und selbst ab der Altersklasse 40+ noch ein überdurchschnittliches Leistungsniveau aufweist.

Abbildung 1 zeigt die Zusammenfassung beider Geschlechter und auch aller Disziplinen. Eine getrennte Betrachtungsweise der unterschiedlichen Bewerbsdistanzen kann uns vielleicht verschiedene Trends aufzeigen.

Altersentwicklung getrennt nach Bewerbstyp

Beginnen wir bei der Betrachtungsweise der Bewerbsdistanzen mit den kürzeren Bewerbsstrecken bis maximal Sprintdistanz.

Sollten die Schlüsse aus der Betrachtung der Gesamtgrafik (Abbildung 1) korrekt sein, so müsste sich bei den Einstiegsdistanzen ein noch deutlicherer Trend im Schwimmen zeigen. Da dies gerade für die jungen Sportlerinnen und Sportler im Bereich bis etwa 20 Jahren die Einstiegsdistanz ist, müsste hier das Leistungsniveau im Schwimmen deutlich höher sein. Ebenso müsste das Radniveau leicht unter der Leistungsfähigkeit im Laufen sein.

Abbildung 2: Altersbezogene Leistungen im Sprinttriathlon im Gesamtergebnis (schwarz), Laufen (rot), Radfahren (grün) und Schwimmen (blau) – 24.073 Ergebnisse berücksichtigt

Betrachten wir die Leistungsgraphen in Abbildung 2, so ist deutlich zu erkennen, dass die Leistungen im Schwimmen fast den 1,6 fachen Wert gegenüber dem Alter von 30 (Normleistung) erreichen. Der erkennbare Trend aus der Gesamtanalyse im Schwimmen ist also auf den kürzeren Wettkampfdistanzen noch deutlicher zu erkennen. Der Abfall der Schwimmleistung ab dem Alter von 35 ist nahezu ident zur Abbildung 1.

Was im Vergleich des graphischen Verlaufes zwischen Abbildung 1 und 2 allerdings auffällt ist, dass bis zum Alter von etwa 19-20 Jahren nicht nur die Schwimmleistung deutlich über dem Normniveau liegt, sondern auch im Radfahren und Laufen ein Wert von etwa 1,1-1,2 erreicht wird. Das Gesamtergebnis liegt damit etwas über dem 1,2 fachen Wert eines dreißigjährigen Normsportlers

Wodurch lässt sich dies erklären?

Hauptgrund dafür dürfte sein, dass wie bereits angesprochen, die kürzeren Wettkampfdistanzen auch die Einstiegsbewerbe der jüngeren Triathletinnen und Triathleten sind. Diese trainieren immer professioneller und erreichen damit auch generell bessere Leistungen. Eine Bestätigung dieser Annahme würde sich in den nächsten Jahren darin zeigen, dass sich das durchschnittliche Leistungsniveau je kalendarischem Alter in den nächsten Jahren Schritt für Schritt erhöht.

Setzt sich dieser Trend auf der Kurzdistanz (olympische Distanz) fort?


Abbildung 3: Altersbezogene Leistungen im Kurzdistanztriathlon im Gesamtergebnis (schwarz), Laufen (rot), Radfahren (grün) und Schwimmen (blau) – 16.492 Ergebnisse berücksichtigt

Abbildung 3 zeigt sehr ähnliche Verläufe wie bereits in den vorhergehenden Analysen beobachtet. Allerdings ist der Trend deutlich in Richtung 19-23 Jahre verschoben. Es zeigt sich auch in diesem Altersbereich bei der olympischen Distanz eine deutlich verbesserte Schwimmleistung, etwa im Bereich des 1,4 fachen Wertes. Die Leistung im Laufen liegt bei etwa 1,2 und jene im Radfahren bei etwa 1,1.

Die Verschiebung im Alter ist durch altersgemäß spätere Teilnahme an einer olympischen Distanz nachvollziehbar. Der trainingstechnische Aufbau, um einen Bewerb mit einer Dauer von plus/minus 2h auf hohem Niveau zu absolvieren, bedarf einer langjährigen Vorbereitungszeit. Es fällt allerdings auch auf, dass das läuferische Niveau auf der olympischen Distanz im Altersbereich von etwa 19-23 Jahren bei einem Wert von etwa 1,2 liegt. Hier zeigt sich neben einer deutlich besseren Schwimmleistung in dieser Altersgruppe auch ein auffallend höheres läuferisches Niveau. Die Radleistung liegt bei etwa 1,1 – und damit ebenfalls noch über dem Normniveau des Altersbereichs von 30 Jahren.

Der Leistungsabfall mit zunehmendem Alter bleibt ähnlich wie bisher bereits analysiert.

Wechseln wir nun zu den längeren Distanzen, wie verhalten sich die Leistungsgrafiken bei der Mittel (Halb-)Distanz und Langdistanz?


Abbildung 4: Altersbezogene Leistungen im Mittel (bzw. Halb-) Distanztriathlon im Gesamtergebnis (schwarz), Laufen (rot), Radfahren (grün) und Schwimmen (blau) – 11.174 Ergebnisse berücksichtigt

Über die Mitteldistanz ist ersichtlich, dass alle drei Einzeldisziplinen sehr ähnliche Leistungsverläufe über das kalendarische Alter zeigen. Wenig überraschend, fällt auch hier das Schwimmen ab dem Alter von 35 etwas ab, aber weniger deutlich als über die kürzeren Wettkampfstrecken.

Ein wesentlicher Unterschied ist dennoch festzustellen. Vergleicht man das Normleistungsniveau im Alter von 30 mit jenem von 60, so liegt letzteres noch etwa bei einem Wert von 0,7 im Gesamtergebnis. Betrachtet man diese Leistungseinbuße der Älteren im Alter von 60 mit den Bewerbsstrecken Sprint- und Kurzdistanz, so fällt hier der Wert auf nur etwa 0,85 ab.

Werfen wir anschließend einen Blick auf die Grafik der Langdistanz (Abbildung 5), ob sich dies auch auf der längsten Wettkampfstrecke zeigt.

Auch hier zeigt sich ein Leistungsabfall mit zunehmendem Alter, wobei die Grafik wesentlich deutlicher schwankt – dies liegt an der geringeren Anzahl von Datensätzen (4.447) welche hier als Vergleichsmöglichkeit zur Verfügung stehen. Der Trend ist dennoch recht klar abzulesen.

Es lässt sich zusammenfassend festhalten, dass die Leistungsfähigkeit aus den analysierten Daten über die längeren Wettkampfstrecken ab der Mitteldistanz rascher mit zunehmendem Alter abfällt als sie dies bei der Sprint- und Kurzdistanz tut.


Abbildung 5: Altersbezogene Leistungen im Langdistanztriathlon im Gesamtergebnis (schwarz), Laufen (rot), Radfahren (grün) und Schwimmen (blau) – 4.647 Ergebnisse berücksichtigt

Dieses Ergebnis ist für uns überraschend und widerspricht unserer Annahme, dass der Leistungsabfall im Sprint- und Kurzdistanzbereich mit zunehmendem Alter höher ist als auf den längeren Strecken. Aerobe Ausdauer ist grundsätzlich bis ins hohe Alter gut trainierbar – es verwundert also ein wenig, dass gerade über die längeren Strecken, die Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter schneller abnimmt. Wir möchten dies auf keinen Fall verallgemeinern und dies als generelle Aussage für alle Triathletinnen und Triathleten formulieren. Die Grafiken zeigen nur den Verlauf in Österreich über eine Vielzahl an Bewerben in den letzten 4 Jahren.

Gerade bei diesem Punkt freuen wir uns über Ideen, Anregungen, wissenschaftliche Beiträge, usw. welche dieses Phänomen erklären können. Auch wir werden uns damit noch näher beschäftigen und versuchen herauszufinden welche Ursachen dies haben könnte.

Entwicklung nach Geschlecht

Gibt es in der Altersentwicklung Unterschiede zwischen Männern und Frauen?


Abbildung 6: Grafischer Verlauf der altersabhängigen Leistungsfähigkeit getrennt nach Geschlecht.

Der Verlauf der Leistungsfähigkeit ist bei Männern und Frauen sehr ähnlich. Tendenziell fällt die Leistung bei den Frauen ab dem Alter von 30 weniger rasch ab als sie dies bei den Männern tut. Es ist die Schwankung der Leistungslinie bei den Frauen aber auch wesentlich größer (erklärbar ist dies aufgrund der geringeren Anzahl von Datensätzen, da es weniger weibliche Triathleten gibt als männliche – siehe allgemeine Prozentverteilung der Geschlechter: ca. 80 % Männer, ca. 20 % Frauen).

Ergebnisse anderer Untersuchungen

Eine Untersuchung aus Australien von Altersklassenrekorden in den Sportarten Leichtathletik, Schwimmen, Rudern, Radsport, Triathlon und Gewichtheben ([1]) zeigte keinen größeren Abfall der Leistungen in Ausdauerbewerben gegenüber Sprintbewerben. Wo hingegen in einer Untersuchung von Leichtathletik Rekorden ([5]) aus dem Jahr 1975 noch ein langsamerer Abfall für Ausdauerbewerbe festgestellt wird.

Eine Studie aus Frankreich ([3]) analysierte die  Leistungen von Triathleten über die Olympische Distanz. Es wurden die Ergebnisse der Altersklassen-Weltmeisterschaften analysiert. In jeder Altersklasse wurde der Mittelwert der Top-10 errechnet, und daraus eine Kurve des Leistungsabfalls mit dem Alter für die Einzeldisziplinen Schwimmen, Rad und Laufen erstellt. Die Ergebnisse zeigen ein ähnliches Bild wie die Analyse der Daten von Triathlonranking Austria, lediglich. der Abfall im Schwimmen ist bei der angesprochenen Studie etwas stärker, beim Radfahren etwas langsamerer.

Eine Schweizer Untersuchung ([4]) analysierte die Daten des „Zürich Triathlons“ über die olympische Distanz aus den Jahren 2000-2010. Hier zeigte sich, dass der Geschlechterunterschied am Rad signifikant geringer ausfiel als beim Schwimmen und Laufen. Es zeigte sich auch, dass die Leistungsunterschiede der Geschlechter nach dem 35. Lebensjahr ansteigen.

Literatur:

[1] Baker, A. B. & Tang, Y. Q. (2010). Aging Performance for Masters Records in Athletics, Swimming, Rowing, Cycling, Triathlon, and Weightlifting, Experimental Aging Research, 36: 453 – 477, 2010

[2] Baker, A. B., Tang, Y. Q. & Turner M. J. (2003). Percentage Decline in Masters Superathlete Track and Field Performance With Aging, Experimental Aging Research, 29: 47 – 65, 2003

[3] Bernard T., Sultana F., Lepers R., Hasswirth C, & Brisswalter J. (2010). Age-Related Decline in Olympic Triathlon Performance: Effect of Locomotion Mode, Experimental Aging Research, 36: 64 – 78, 2010

[4] Etter F., Knechtle B., Bukowski A., Rüst C. A., Rosemann T. & Lepers R. (2013) Age and gender interactions in short distance triathlon performance, Journal of Sports Sciences, 31, No 9, 996-1006, 2013

[5] Moore, D. H. (1975) A Study of age group track and field records to relate age and running speed. Nature, 253, 264-265