Share |

Leistungsentwicklung im Triathlon in Österreich

Mit dem Jahr 2010 haben wir begonnen, die Ergebnisse der österreichischen Triathletinnen und Triathleten in windschattenfreien Rennen zu dokumentieren und diese statistisch zu analysieren. Wichtig war uns dabei vor allem, eine Vergleichsmöglichkeit der Leistungen zu schaffen. Aus der Sammlung der Daten, die in eine eigens dafür programmierte Datenbank eingetragen wurden, lassen sich darüber hinaus auch Rückschlüsse auf die Entwicklung des Sports im Allgemeinen machen sowie einige interessante demographische Statistiken aufbereiten. Es geht uns dabei nicht um den Spitzensport, sondern im Besonderen um den Breitensport, in welchem bekanntlich die Leistungen gerne mit den leistungsstärksten Athleten vergleichen werden.

Die gesammelten Daten sind in Form einer „Rangliste“ unter der Webadresse http://triathlonliste.topsportaustria.at öffentlich einsehbar und können dort auch von jedem selbst analysiert werden. Die berücksichtigten Bewerbe und somit jene, die für die Analysen verwendet wurden, können ebenfalls dieser Website entnommen werden. Alle statistischen Berechnungen wurden mit der Statiksoftware “R“ (www.r-project.org) durchgeführt. 

Wie haben sich die Leistungen in den letzten Jahren entwickelt?

Basis für die Analyse der Leistungsentwicklung sind die Ergebnisse von österreichischen Triathleten und Triathletinnen, die an offiziellen Bewerben teilgenommen haben.

Um die Leistungsentwicklung analysieren zu können, wurde zuerst ein (mathematisches) Verfahren entwickelt, das es erlaubt, die einzelnen Leistungen in unterschiedlichen Bewerben vergleichen zu können. Dies wurde sowohl für die Gesamtleistung als auch für die Leistungen in den Einzeldisziplinen durchgeführt.

Verfahren zur Normierung der Daten: Dazu werden in einem ersten Schritt die Ergebniszeiten in Prozentrückstände umgerechnet. Da der Prozentrückstand zum Sieger kein gutes Maß wäre, da er die Besetzung und Qualität des Bewerbes nicht berücksichtigt, wurde folgendes Verfahren verwendet: 

  1. Es wird eine Referenzdatenbank von Personen erstellt, die den durchschnittlichen Rückstand der Personen zum Besten in dieser Datenbank in Prozent enthält. Zu Beginn wurde diese Datenbank mit den Ergebnissen des Ironman 70.3 Bewerbes in St. Pölten gefüllt.
  2. Kommt nun ein neuer Bewerb dazu wird nun die Schnittmenge der Teilnehmer in diesem Bewerb mit der Referenzdatenbank ermittelt. Für jede Person aus dieser wird nun mit Hilfe des vermerkten Prozentrückstandes errechnet, welche Zeit für den Besten aus der Referenzdatenbank im Bewerb prognostiziert wird.
  3. Durch Mittelwertbildung über die Prognosen aller dieser Personen wird eine stabile Siegerzeitprognose errechnet. Dazu muss der Durchschnitt zumindest 5 Personen enthalten.
  4. Nun werden für alle Teilnehmer des neuen Bewerbes die prozentualen Rückstände zu dieser fiktiven Referenzzeit errechnet und als Prozentwert gespeichert. Dies liefert normierte Leistungsdaten für diese Personen.
  5. Die soeben errechneten Werte werden in die Referenzdatenbank eingetragen, die damit die Werte in dieser Datenbank verbessern und die Menge der darin enthaltenen Personen vergrößert.
  6. Dies wird für alle weiteren Bewerbe wiederholt.

Mit dieser Methode wurden in den Jahren 2010 bis 2013 die Leistungsdaten österreichischer Triathletinnen und Triathleten gesammelt und normiert sowie die folgenden Analysen zu den Leistungen und Leistungsentwicklungen durchgeführt.

In einem ersten Schritt wurden Mittelwerte der Bewerbsleistungen aller Athleten und Athletinnen in den einzelnen Jahren berechnet. Es wurde errechnet, welchen durchschnittlichen, prozentuellen Abstand ALLE Triathletinnen und Triathleten von der Vergleichsbasis erzielt haben.

Prozentrückstände Mittelwerte

 

Endzeit

Schwimmen

Rad

Lauf

2010

41,70 %

49,25 %

33,50 %

48,81 %

12327

12145

12119

12175

2011

44,60 %

52,35 %

35,73 %

52,36 %

14812

14765

14712

14754

2012

46,53 %

54,45 %

37,62 %

54,04 %

15824

15696

15647

15697

2013

48,31 %

56,95 %

39,17 %

55,04 %

14908

14874

14829

14870

Tabelle 1: Zeigt die durchschnittlichen prozentuellen Abstände zur Vergleichsbasis in der Gesamtzeit sowie den drei Einzeldisziplinen je Kalenderjahr. Unter den Prozentwerten finden sich die Datensätze welche für die Berechnung herangezogen wurden.
 

Tabelle 1 zeigt die durchschnittliche Wettkampfleistung über alle Personen in den Einzeldisziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen sowie der Gesamtzeit. Dies bedeutet, dass z.B. der mittlere Abstand im Jahr 2010 bei 12327 Einzelergebnissen im Schnitt 41,7% zur Leistungsspitze betrug.

Betrachtet man nun die aufgelisteten 4 Jahre zeigt sich in allen Teilbereichen eine deutliche Erhöhung des mittleren prozentuellen Abstandes. Dieser Trend würde als ersten Schluss zulassen, dass das Leistungsniveau der Breitensportler/innen im Vergleich zur Leistungsspitze von Jahr zu Jahr abnimmt.

Werden die österreichischen Athletinnen und Athleten also wirklich immer leistungsschwächer in Relation zu den Leistungsbesten?

Obwohl sich anhand des sichtbaren Trends aus der obigen Tabelle diese Frage aufdrängt, konnten wir diesem Schluss nicht ganz glauben. Unsere Erfahrungen und Wahrnehmungen als Trainer und Teilnehmer gingen in eine andere Richtung, daher begaben wir uns auf die Suche nach Anhaltspunkten für oder gegen diese Entwicklung und deren Ursachen.

Eine altersbezogene Detailanalyse ist der erste Schritt. Möglicherweise lässt sich aus der Entwicklung des Alters der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Triathlonbewerben etwas ablesen.

1) Faktor Alter

Könnte eine langsame Überalterung der „Triathletenpopulation“ schuld an der Verschlechterung des Mittelwertes sein?

Betrachten wir den Altersdurchschnitt gemittelt über die Ergebnisse. Das bedeutet: ein Athlet, der 3 Ergebnisse in der Datenbank hat trägt 3x zur Mittelwertbildung bei, ein Athlet mit 5 Ergebnissen 5x (siehe Abbildung 2).

 

Alter Gesamt

in Jahren

Männer

Frauen

2010

36,63

37,02

34,44

2011

37,04

37,57

34,50

2012

37,15

37,66

34,88

2013

37,30

37,77

35,15

Tabelle 2: Durchschnittliches Alter der Triathletinnen und Triathleten im entsprechenden Kalenderjahr.

Abbildung 2: Entwicklung des durchschnittlichen Alters der österreichischen Triathletinnen und Triathleten im Zeitraum 2010-2013

Es ist also eine leichte Alterung der Population zu erkennen. Kann diese für die Leistungsverschiebung verantwortlich sein?

Betrachtet man die Werte des Durchschnittsalters, so ist dieses in vier Jahren gerade einmal um 0,7 Jahre gestiegen – sowohl getrennt nach Geschlecht wie auch in der Summe über alle Personen. Legt man die Erhöhung des prozentuellen Abstandes zur Leistungsspitze mit fast 7% im selben Zeitraum zu Grunde, so kann die leichte Erhöhung des Durchschnittsalters nicht die Ursache der doch recht deutlichen Mittelwertverschlechterung sein.

Prüfen wir nun die Altersentwicklung bezogen auf die einzelnen Bewerbstypen bzw. Distanzen:

 

Sprintdistanz

Kurzdistanz

Mitteldistanz

Langdistanz

Crosstriathlon

2010

34,85

36,96

38,02

39,11

36,78

2011

35,66

37,63

38,29

39,72

35,13

2012

35,56

37,70

38,93

39,79

35,36

2013

36,10

37,78

38,94

40,15

36,69

Tabelle 3: Durchschnittliches Alter der Triathletinnen und Triathleten im entsprechenden Kalenderjahr je Bewerbsdistanz
 

Auf den ersten Blick ist ersichtlich: je kürzer die Distanz, desto jünger die teilnehmenden Personen. Dies überrascht nicht, zumal die längeren Distanzen auch mehr Trainingsjahre für die Teilnahme voraussetzen. Die Sprint und Kurzdistanz sind die Einstiegsdistanzen für die jüngeren Athletinnen und Athleten, womit diese natürlich den Altersschnitt senken. Der Unterschied im Durchschnittalter von der Sprintdistanz zur Langdistanz bleibt im Verlauf von 2010 bis 2013 annähernd konstant

und liegt im Bereich von etwa 4 Jahren. Kurz- und Mitteldistanz liegen im Bereich dazwischen und zeigen klar den Trend: Ältere Athletinnen und Athleten bestreiten eher die längeren Distanzen. Aber auch in dieser Auswertung ist keine „Überalterung“ zu erkennen.

Um den Einflussfaktor Alter noch detaillierter analysieren zu können, haben wir auch die Entwicklung in den einzelnen Alterskategorien berechnet (für Männer und Frauen getrennt).

 

Männer

 

 

2010

 

2011

 

2012

 

2013

 

 

Gesamt

Jun

43,01

72

36,99

145

41,52

193

36,8

170

 

39,19

U23

33,32

270

35,33

334

39,13

489

40,7

611

 

38,03

EK I

36,52

3492

38,7

3991

40,94

4334

42,9

4032

 

39,90

EK II

36,26

1095

37,58

1391

40,63

1587

41,76

1795

 

39,44

MK 40

37,88

2035

40,37

2290

42,69

2354

44,7

1949

 

41,39

MK 45

41,65

1784

43,08

2027

45,35

2003

47,15

1668

 

44,25

MK 50

43

1043

45,98

1192

47,99

1106

50,11

966

 

46,70

MK 55

48,26

384

49,62

410

50,75

399

54,1

353

 

50,60

MK 60

48,79

132

55,62

129

58,13

114

60,73

110

 

55,51

MK 65

61,42

39

64,54

42

73,68

38

69,28

50

 

67,28

MK 70

69,29

28

75,22

37

77,13

45

82,85

30

 

76,28

 

Frauen

 

 

2010

 

2011

 

2012

 

2013

 

 

Gesamt

Jun

56,29

30

60,3

52

56,83

53

59,78

41

 

58,45

U23

50

78

54,39

139

59,08

174

56,29

169

 

55,81

EK I

53,42

711

58,48

942

59,66

1057

60,92

947

 

58,47

EK II

56,48

262

60,05

411

57,34

475

60,73

538

 

58,95

MK 40

54,17

349

58,45

411

59,44

490

61,4

415

 

58,58

MK 45

58,8

254

63,58

260

66,11

290

69,2

265

 

64,52

MK 50

62,8

136

66,13

184

65,45

189

69,73

134

 

65,98

MK 55

63,86

42

71,73

58

71,38

53

75,48

46

 

70,84

MK 60

71,66

5

103,78

11

106,05

11

110,71

8

 

101,49

Zusammenfassend lässt sich aus der detaillierten Analyse der Altersklassen erkennen, dass sich bis auf Abweichungen im Juniorenbereich die Verschiebung der mittleren Wettkampfleistung zu einem deutlichen größeren Abstand von der Leistungsspitze in allen Altersklassen, sowohl bei Männern wie auch Frauen zeigt.

Aus der Prüfung des möglichen Einflussfaktors „Alter“ ist somit abschließend festzustellen, dass ein Anstieg des durchschnittlichen Alters von knapp einem Jahr über eine Betrachtungsdauer von 4 Bewerbsjahren keine ausreichende Erklärung für die doch deutliche Erhöhung des mittleren Abstandes in der Wettkampfleistung bietet.

2) Faktor Geschlecht

Nach Geschlecht getrennt wurden dieselben Berechnungen der Leistungsentwicklung über die letzten 4 Jahre durchgeführt wie in durchgeführt wie bereits über alle Personen. Daraus ergaben sich die zwei folgenden Tabellen:

 

Prozentrückstände Mittelwerte Männer

 

Total

Schwimmen

Rad

Lauf

2010

39,14 %

47,77 %

30,84 %

45,86 %

10439

10285

10264

10312

2011

41,29 %

50,15 %

32,51 %

48,31 %

12249

12209

12164

12199

2012

43,40 %

52,45 %

34,44 %

50,35 %

12944

12843

12797

12843

2013

45,09 %

54,92 %

35,95 %

51,32 %

12211

12184

12148

12181

 

 

 

 

 

Prozentrückstände Mittelwerte Frauen

 

Total

Schwimmen

Rad

Lauf

2010

55,82 %

57,47 %

48,19 %

65,1 %

1888

1860

1855

1863

2011

60,45 %

62,85 %

51,12 %

71,68 %

2563

2556

2548

2555

2012

60,59 %

63,44 %

51,92 %

70,63 %

2880

2853

2850

2854

2013

62,91 %

66,14 %

53,77 %

71,91 %

2697

2690

2681

2689

Tabelle 4: Zeigt die durchschnittlichen prozentuellen Abstände zur Vergleichsbasis in der Gesamtzeit sowie den drei Einzeldisziplinen je Kalenderjahr und getrennt nach Geschlecht. Unter den Prozentwerten finden sich die Datensätze welche für die Berechnung herangezogen wurden.
 

3) Faktor Bewerbstyp

Die bisherigen Analysen erfolgten immer gesammelt für alle Bewerbsdistanzen (Sprint-, Kurz, Mittel- und Langdistanz sowie Crosstriathlon). Eine getrennte Betrachtungsweise nach Bewerbstyp könnte daher möglicherweise neue Tendenzen aufzeigen und Anhaltspunkte bringen.

Für die Totalleistung der Frauen ergibt sich folgendes Bild: (Prozentrückstände nach Eventtyp)

 

2010

2011

2012

2013

Sprintdistanz

62,66 %

926

67,28 %

1395

67,19 %

1522

69,60 %

1559

Kurzdistanz

50,48 %

489

54,53 %

622

54,77 %

675

55,39 %

638

Mittelsdistanz

48,30 %

332

49,19 %

331

51,21 %

470

53,00 %

330

Langdistanz

46,87 %

110

48,27 %

144

44,39 %

119

47,49 %

103

Crosstriathlon

48,15 %

31

55,16 %

71

62,73 %

94

51,63 %

67

Tabelle 5: Zeigt die mittleren prozentuellen Abstände in der Wettkampfleistung bei den Damen, getrennt nach den angeführten Wettkampfdistanzen im Zeitraum zwischen 2010 bis 2013. In der zweiten Spalte finden sich die Anzahl der Datensätze, welche für die Berechnung berücksichtig wurden.
 

Betrachtet man die Entwicklung des mittleren prozentuellen Abstandes bei den Ergebnissen der Frauen (Tabelle 5) getrennt nach Bewerbstyp, so ist zunächst der gleiche Trend der Verschlechterung im Verlauf über die 4 Jahre zu erkennen. Bei Sprint-, Kurz und Mitteldistanz zeigt sich eine deutliche Erhöhung des mittleren Abstandes zur Leistungsspitze – er liegt im Bereich von 5-7%! Keinen einheitlichen Trend zeigen Langdistanz und Crosstriathlon – allerdings ist bei beiden Bewerbstypen die Anzahl der Datensätze eher gering (30-144). Bei der Anzahl der Datensätze zeigt sich vor allem bei der Sprintdistanz eine deutliche Zunahme von 2010 bis 2013. Dies deutet auf eine deutlich gestiegene Teilnehmerzahl hin!

Für die Totalleistung der Männer ergibt sich folgendes Bild: (Prozentrückstände nach Eventtyp)

 

2010

2011

2012

2013

Sprintdistanz

44,27 %

3697

45,42 %

4689

48,94 %

4966

50,09 %

5319

Kurzdistanz

37,08 %

2962

39,67 %

3743

41,78 %

3595

43,02 %

3768

Mittelsdistanz

36,44 %

2515

38,44 %

2344

38,69 %

2969

39,50 %

1883

Langdistanz

34,18 %

1101

36,56 %

1115

37,42 %

1003

38,55 %

952

Crosstriathlon

35,78 %

164

37,48 %

358

39,23 %

411

38,06 %

289

Tabelle 6: Zeigt die mittleren prozentuellen Abstände in der Wettkampfleistung bei den Herren, getrennt nach den angeführten Wettkampfdistanzen im Zeitraum zwischen 2010 bis 2013. In der zweiten Spalte finden sich die Anzahl der Datensätze, welche für die Berechnung berücksichtig wurden.
 

Auch bei den Männern (Tabelle 6) zeigt sich der bereits festgestellte Trend der Mittelwerterhöhung. Anders als bei den Frauen ist dieser aber über alle Distanzen zu sehen – jedes Jahr erhöht sich der durchschnittliche Abstand zur Leistungsspitze und beträgt innerhalb von vier Jahren bei Sprint- und Kurzdistanz etwa 4-6%. Im Bereich der Mittel- und Langdistanz sowie dem Crosstriathlon ist die Erhöhung etwas geringer, liegt aber immer noch bei 2,5-3%. Ein Grund für den einheitlicheren Trend ist sicher die Anzahl der Datensätze, welche bei den Männern wesentlich höher ist.

Darüber hinaus ist auch bei den Männern festzustellen, dass die Anzahl der Starts im Bereich der Sprintdistanz im Verlauf der vier Jahre deutlich zugenommen hat.

4) Faktor Starter nach Distanz

Da sich bei der Analyse der Wettkampfleistung nach dem Bewerbstyp zeigte, dass auf den kürzeren Strecken, vor allem im Sprinttriathlon, die Anzahl der Teilnehmer erhöht hat (siehe Tabelle 5 und 6), wollen wir uns dies etwas genauer anstehen. Tabelle 7 zeigt, wie sich die Anzahl der teilnehmenden Personen, Männer und Frauen, auf den jeweiligen Wettkampfstrecken in den letzten 4 Jahren verändert haben.

 

Sprintdistanz

Kurzdistanz

Mitteldistanz

Langdistanz

Crosstriathlon

2010

3167

2452

2304

1141

188

2011

3886

2872

2137

1183

359

2012

4226

2938

2585

1050

405

2013

4487

2995

1829

990

287

Tabelle 7: Anzahl der Personen welche im entsprechenden Bewerbsjahr an einem Bewerb der angeführten Kategorie teilgenommen haben
 

Betrachtet man die einzelnen Eventtypen, so zeigt sich eines zunächst ganz deutlich: die Anzahl der teilnehmenden Personen bei Sprinttriathlons (Supersprint, Hobbybewerbe, Funtriathlons und echte Sprintdistanzen) hat sich in den letzten vier Jahren sehr deutlich erhöht. Ein Anstieg von etwa 40% zeigt, dass sich nicht nur die Anzahl der Bewerbe sondern auch die Anzahl der Starts sowie die Anzahl der Einzelstarter deutlich erhöht hat (siehe dazu auch nachfolgende Grafik)

Abbildung 3: Graphisch dargestellter Verlauf der Teilnehmerentwicklung je Eventtyp von 2010 bis 2013

Einen leichten Anstieg verzeichnet auch noch die Kurzdistanz (siehe Abbildung 3), wohingegen die Starts bei Mittel- und Langdistanz eher konstant bleiben oder sogar etwas rückläufig sind. Der deutliche Rückgang in den Starts auf der Mitteldistanz von 2012 auf 2013 darf nicht überbewertet werden, der Hauptgrund dafür ist, dass die Mitteldistanz in St. Pölten 2013 als Bike&Run ausgetragen wurde und somit nicht in die Statistik eingerechnet wurde. Damit fehlen deutlich mehr als 500 Personen in dieser Kategorie gegenüber 2012.

Könnte also der starke Zuwachs an Teilnehmern in Sprint (und Fun) Bewerben ein Hinweis sein?

5) Leistungsentwicklung der Athleten die in allen 4 Jahren zumindest ein Ergebnis in der Datenbank haben.

Wir konnten bisher das Durchschnittsalter als entscheidenden Faktor für die Mittelwertsverschlechterung ausschließen, ebenso verhalten sich beide Geschlechter ähnlich in der Entwicklung und auch die Bewerbstypen verhalten sich in ihrer Entwicklung sehr ähnlich. Wir haben in unserer Analyse als einzigen Hinweis für die (statistische) Leistungsverschlechterung die deutliche Erhöhung der Starterzahlen über die kürzeren Distanzen (Sprint- und Kurzdistanz) erhalten.

Um nun herauszufinden, ob diese Neueinsteiger einen entscheidenden Einfluss auf den Mittelwert haben, müssen wir die davor zu Grund gelegten Analysen noch einmal durchführen. Dieses Mal beschränken wir uns aber auf die Analyse von Athletinnen und Athleten, die mindestens ein Ergebnis in JEDEM Jahr zwischen 2010 und 2013 in Datenbank eingebracht haben.

Es wurden also zum Beispiel alle jene aus der Analyse genommen, die irgendwann im Verlauf der vier Jahre neu eingestiegen sind, oder in diesem Zeitraum ihre Aktivität beendet haben. So wird eine Betrachtung der Leistungsentwicklung einer konstanten Personengruppe ermöglicht:

Prozentrückstände Mittelwerte
Männer, die in allen 4 Jahren am Start waren

 

Total

Schwimmen

Rad

Lauf

2010

35,41 %

43,11 %

28,00 %

41,54 %

4637

4568

4556

4585

2011

36,12 %

43,32 %

28,54 %

42,56 %

5690

5673

5652

5666

2012

36,88 %

43,83 %

29,35 %

43,34 %

5602

5555

5543

5556

2013

37,63 %

44,71 %

30,06 %

43,80 %

4881

4780

4859

4869

Tabelle 4: Zeigt die durchschnittlichen prozentuellen Abstände zur Vergleichsbasis in der Gesamtzeit sowie den drei Einzeldisziplinen je Kalenderjahr für Männer, welche in allen 4 Saisonen zumindest ein Ergebnis in der Datenbank haben. Unter den Prozentwerten finden sich die Datensätze welche für die Berechnung herangezogen wurden.
 

Vergleicht man nun diese neue Tabelle der Männer, die in allen 4 Jahren ein Ergebnis erbracht haben, mit jener Tabelle im Bereich „Faktor Geschlecht“, so erkennt man sehr deutlich, dass diese Stammathleten im Schnitt ein deutlich besseres Leistungsniveau aufweisen. 2010 entsteht bei den Männern ein mittlerer Rückstand von 35,41% - über alle Männer 2010 ergibt sich aber ein mittlerer Rückstand von 39,14%. Diese Abweichung wird von Jahr zu Jahr deutlicher und beträgt 2013 bereits fast 5,5% (37,63% zu 45,09%).

Ein ähnlicher Trend zeigt sich in den Einzeldisziplinen bei den Männern, wobei die Schere im Schwimmen deutlich größer wird und im Radfahren am geringsten ausfällt. Auch dies ist nachvollziehbar, da gerade Neueinsteiger sehr oft in der technisch anspruchsvollsten der drei Sportarten, dem Schwimmen, die größten Probleme haben und dort auch den größten Abstand zur Spitze aufweisen. Betrug der Abstand im ersten Jahr noch etwa 4% vergrößert sich dieser bis 2013 auf im Mittel über 10%! Beim Radfahren und Laufen vergrößert sich der Abstand zwar ebenfalls deutlich von 2010 auf 2013, in diesen zwei Disziplinen liegen wir bei einer Erhöhung von im Schnitt 2-4% im Jahr 2010 auf 6-8% im Jahr 2013.

Es zeigt sich bei den Männern also ganz klar: die Stammathleten verlieren zwar auch etwas auf die absoluten Spitzenleistungen, dies liegt aber im Bereich von 1-2% über vier Bewerbsaisonen – also etwa 0,25-0,5% pro Jahr. Dies kann aber durch die Alterung erklärt werden.

Es kann also festgehalten werden: bei den Männern kommt es durch die Vielzahl an Neueinsteigern zu dem deutlich erhöhten mittleren Abstand zur Leistungsspitze.

Sehen wir uns die Tabelle zu den Ergebnissen der Frauen ab, ob diese ein ähnliches Bild zeigen.

Prozentrückstände Mittelwerte

Frauen, die in allen 4 Jahren am Start waren

 

Total

Schwimmen

Rad

Lauf

2010

49,84 %

51,32 %

42,74 %

58,41 %

682

667

664

671

2011

50,27 %

52,36 %

42,90 %

59,77 %

888

885

885

888

2012

50,26 %

51,79 %

43,20 %

59,09 %

986

977

976

979

2013

50,89 %

52,10 %

44,20 %

58,79 %

832

828

827

829

Tabelle 4: Zeigt die durchschnittlichen prozentuellen Abstände zur Vergleichsbasis in der Gesamtzeit sowie den drei Einzeldisziplinen je Kalenderjahr für Frauen, welche in allen 4 Saisonen zumindest ein Ergebnis in der Datenbank haben. Unter den Prozentwerten finden sich die Datensätze welche für die Berechnung herangezogen wurden.
 

Bei den Frauen, die in allen 4 Jahren ein Ergebnis in der Datenbank aufweisen, bleiben die Mittelwerte sogar noch stabiler als bei den Herren. Es zeigen sich auch hier die gleichen Verschiebungen wie bei Herren – das mittlere Leistungsniveau der Stammathletinnen ist deutlich besser als die mittlere Leistungsfähigkeit über alle Frauen und liegt 2010 bei einer Differenz von etwa 6% in allen Teildisziplinen und dem Gesamtergebnis. 2013 beträgt diese Differenz der mittleren Rückstände aber bereits ca. 11-13%. Auch hier sorgen also die Neueinsteigerinnen für eine Verschlechterung des Mittelwerts um mehr als 10%!

Resümee

Die vorliegenden Ergebnisse aus den Detailanalysen waren auch zum Teil für uns sehr überraschend. Sie zeigen vor allem, dass weniger überdurchschnittlich gute Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger dazu kommen und sich immer mehr Breitensportler/innen im Triathlon versuchen. Die Anzahl an Starts bei Triathlonbewerben hat sich im Beobachtungszeitraum von 2010 bis 2013 deutlich erhöht und gerade die für Einsteiger bereitgestellten Distanzen Supersprint, Sprint- und Kurzdistanz werden auch angenommen. Die Kluft zwischen den Spitzensportlern im Triathlon und dem einzelnen Breitensportler/der einzelnen Breitensportlerin, der oder die regelmäßig an Bewerben teilnimmt wird also nur minimal größer.

Positiv zu beurteilen ist darüber hinaus, dass sich nicht nur überdurchschnittlich begabte Personen an den Triathlon wagen, sondern der Anteil an wirklichen Hobbyathlet/innen, die den Triathlonsport und die Bewerbe rein als Ausgleich betreiben und dabei den Gedanken „mitmachen ist Alles“ in den Vordergrund stellen, stetig ansteigt. Dies hat aber auch den Einfluss, dass sich in der Betrachtung des mittleren Abstands der Gesamtpopulation an Triathletinnen und Triathleten eine Vergrößerung des Abstandes zur Leistungsspitze zeigt. Die Ursache liegt dabei nicht darin, dass die Breitensportler an Leistung gegenüber der Elite einbüßen, sondern, dass mehr Neueinsteiger aus dem Hobbybereich vom Leistungsniveau eher unterdurchschnittlich sind (sprich langsamer im Gesamtergebnis als der durchschnittliche Triathlet). Somit erhöht sich natürlich der durchschnittliche prozentuelle Abstand zur Leistungsspitze wenn man die Gesamtpopulation der Triathlonszene betrachtet. Die erfahrenen Athletinnen und Athleten (mehrere Jahre Wettkampf- und Trainingserfahrung) können aber ihren Abstand beinahe konstant halten!


Kommentare

Gratuliere zu dieser sehr interessanten Zusammenstellung.