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Ironman Hawaii 2012 - Ergebnisse

WTC/Stefan Jaeger

Der regierende IRONMAN European Champion Marino Vanhoenacker wurde zur tragischen Figur eines unglaublich harten Rennens. Den sechsfachen Champion des IRONMAN Austria holte dabei seine eigene Geschichte ein: Bereits im Vorjahr hatte Vanhoenacker das Rennen unglaublich aggressiv angelegt und musste seine offensive Taktik teuer bezahlen, als er bei Kilometer 10 auf der Marathon-Strecke aufgab.

Vanhoenacker bestimmte sein Renntaktik für 2012 defensiver, aber nicht defensiv genug. Aus dem Wasser in der Verfolgergruppe gefangen, arbeitete sich der Belgier auf dem ersten Drittel der Radstrecke immer weiter an den Führenden Andy Potts heran. Gemeinsam mit dem Deutschen IRONMAN 70.3-Weltmeister Sebastian Kienle diktierte Vanhoenacker von Beginn an das Tempo, alle guten Vorsätze schienen vergessen. Kienle war jedoch vom Pech verfolgt. Erst musste er mit einem Reifendefekt stoppen, dann verzögerte sich die Reparatur - der junge Deutsche büßte rund 5 Minuten ein.

Bereits zuvor hatte sich ein brisantes Duell entschieden: Der extrovertierte australische Ex-Weltmeister Chris "Macca" McCormack gab nach einem Defekt geknickt auf. Allerdings spielte auch der regierende Champion Craig "Crowie" Alexander, ebenfalls aus Australien, mit großem Rückstand bald keine Rolle mehr im Rennen der Pro-Männer. Ein weiterer Australier sprang hingegen in die Bresche: Pete Jacobs, 2011 Vize-Weltmeister in Kailua-Kona, hielt zwar Respektabstand zu Vanhoenacker und lag vor dem Marathon 8:25 Minuten zurück, wirkte aber frisch und angriffslustig. Ebenfalls im Spitzenfeld: Der Deutsche Faris Al-Sultan, regierender Champion des IRONMAN Austria, der ein taktisch perfektes Rennen ablieferte und als Fünfter auf die Laufstrecke ging. Es war überhaupt der Tag der deutschen Athleten: Andreas Raelert, der mit einem zweiten und zwei dritten Plätzen bereits Kona-Podesterfahrung aufweisen konnte, kämpfte sich ebenfalls immer weiter nach vorne.

Nervenschlacht und eine lange Serie

An der Spitze tobte eine Nervenschlacht: Bereits auf den ersten eineinhalb Kilometern der Laufstrecke machte Jacobs 20 Sekunden Rückstand auf Vanhoenacker wett. Zur Marathon-Halbzeit konnte der Australier den Belgier stellen, der völlig entkräftet anhalten musste. "Macca ist mir gleich zu Beginn in mein Rad gefahren und ich konnte danach nur vier oder fünf Gänge richtig verwenden, das erklärt mein hohes Tempo auf der Radstrecke. Am Ende bin ich einfach völlig überhitzt", sagte Vanhoenacker, der schlussendlich das Rennen aufgab. Dahinter entbrannte ein deutsch-deutsches Duell: Raelert knöpfte sich Kienle vor, Al-Sultan lag auf Platz fünf in Lauerstellung. Raelert blieb hingegen weiter auf dem Gaspedal und konnte auch noch den elgischen Sieger des IRONMAN Nizza 2012, Frederik van Lierde, einholen.

Die letzten Meter auf dem berühmten Ali'i Drive wurden zum Triumphmarsch Jacobs, der damit die Serie australischer Sieger am Leben hielt - zum sechsten Mal in ebensovielen Jahren kommt der IRONMAN World Champion aus "Down under". Dahinter schafften es mit Raelert, Kienle und Al-Sultan erstmals drei deutsche Athleten unter die Top 5 der IRONMAN World Championship. Auf Platz sechs landete mit Timo Bracht ebenfalls ein Deutscher Athlet.

Top 10 Männer IRONMAN World Championship presented by myList:

1. 8:18:37 Pete Jacobs AUS
2. 8:23:40 Andreas Raelert GER
3. 8:24:09 Frederik Van Lierde BEL
4. 8:27:08 Sebastian Kienle GER
5. 8:28:33 Faris Al-Sultan GER
6. 8:30:57 Timo Bracht GER
7. 8:31:45 Andy Potts USA
8. 8:33:28 Timothy O'Donnel Boulder USA
9. 8:35:02 David Dellow AUS
10. 8:36:21 Dirk Bockel LUX

Historischer Sieg beiden Damen

Schafft sie es, oder schafft sie es nicht? Im Vorjahr hatte sich die Schweizerin Caroline Steffen selbst den größten Druck auferlegt. 2012 wollte sich die regierende IRONMAN-Europameisterin und ITU Langdistanz-Weltmeisterin gelassener geben. Ein Vorhaben, das scheinbar gelang. Mit nur 2:29 Minuten Rückstand auf die Spitze kletterte Steffen aus den Wellen vor Kailua-Kona und hielt damit Tuchfühlung zur Britin Leanda Cave und der Australierin Mirinda Carfrae, die beide neben Steffen als große Anwärterinnen auf die Nachfolge der pausierenden Weltmeisterin Chrissie Wellington gehandelt wurden.

Bereits auf den ersten Kilometern der Radstrecke musste Steffen allerdings einen herben Rückschlag einstecken: Die Schweizerin wurde zu einer vierminütigen Zeitstrafe verdonnert, erst nach rund 140 Kilometern riss Steffen das Ruder an sich und übernahm die Führung, Cave blieb allerdings knapp dahinter. Das Rennen sollte mehr als nur spannend bleiben, denn auch die Amerikanerin Mary Beth Ellis, aktuelle Siegerin des IRONMAN 70.3 Haugesund und der IRONMAN US Championship New York, wollte um den obersten Platz am Podium mitmischen. Nach 180,2 Kilometern am Rad hatte Ellis die Nase haarscharf vorne und führte mit fünf Sekunden auf Steffen.

Die Führung wechselte allerdings bereits in der Wechselzone: Ellis musste eine Zeitstrafe absitzen, Steffen ging mit 3:38 Minuten Vorsprung auf Carfrae und 3:51 Minuten Guthaben auf Cave in den Marathon. Eine Reihung, an der sich bis zu Kilometer 35 auf der Laufstrecke nichts ändern sollte. Dann zündete Cave allerdings den Turbo, lief nur wenige Meter mit Steffen Schulter an Schulter und ließ die Schweizerin dann eiskalt stehen. Auch dahinter wurden noch die Positionen gewechselt, die Deutsche Sonja Tajsich schob sich bis Platz vier nach vorne. Carfrae konnte auf der Laufstrecke zwar aufholen, Cave und Steffen aber am Ende nicht mehr gefährden.

Cave schrieb damit Geschichte: Als erste Frau der IRONMAN-Geschichte sicherte sich die Britin in einem Jahr sowohl die IRONMAN 70.3- als auch die IRONMAN-Weltmeisterschaft. Für emotionale Momente sorgte auch "Swiss Miss" Natascha Badmann. Die mehrmalige Hawaii-Siegerin erreichte den umjubelten sechsten Platz.

Top 10 Frauen IRONMAN World Championship presented by myList:

1. 9:15:54 Leanda Cave GBR
2. 9:16:58 Caroline Steffen SUI
3. 9:21:41 Mirinda Carfrae AUS
4. 9:22:45 Sonja Tajsich GER
5. 9:22:57 Mary Beth Ellis USA
6. 9:26:25 Natascha Badmann SUI
7. 9:28:54 Gina Crawford NZL
8. 9:32:18 Linsey Corbin USA
9. 9:36:18 Caitlin Snow USA
10. 9:38:15 Amy Marsh USA

Alle Resultate ("Athlete Tracker") finden Sie unter http://kona.ironman.com.