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Interview mit Günther Weidlinger zum Linz Marathon

Foto: Volker Weihbold

Kurz vor dem Linz Marathon hat TopSportAustria ein Interview mit Österreichs Paradeläufer Günther Weidlinger geführt, der heuer erstmals in Linz über die volle Marathon Distanz startet. Er gibt im Interview Tipps für Hobbyläufer und Einblicke in seine Vorbereitung.

TopSportAustria: Wie sieht Deine Vorbereitung der letzten 2 Wochen vor dem Marathon aus?

Günther Weidlinger: Die letzten beiden Wochen vor dem Linz Marathon stehen natürlich im Zeichen der Erholung und Regeneration. Natürlich werde ich noch den einen oder anderen flotten Kilometer im Training laufen, aber das intensive Programm ist schon abgeschlossen.

TopSportAustria: Was sind die wichtigsten 3 Tipps die Du einem Hobbyläufer vor dem Marathon geben würdest?

Günther Weidlinger: 1) Den Marathon in Teilstrecken aufteilen, also nicht denken: Ich laufen 42,915km sondern ich laufe 2 x 21km oder 3 x 14km. Teilstrecken verhelfen zu positiverem Denken und man kann sich mit Zwischenzielen an das Gesamtziel heran arbeiten.
2) Nicht zu schnell anlaufen! Am Besten wäre, wenn die Zweite Hälfte ein wenig schneller gelaufen werden würde als die Erste.
3) Die Verpflegung soll schon bei Kilometer 5 beginnen. Wenn der Durst erst mal da ist, ist es schon zu spät zum Trinken.

TopSportAustria: Hobbyläufern werden in diversen Trainingsplänen Trainingseinheiten über lange Distanzen mit 30-36 km als sehr wichtig empfohlen. Wie wichtig und sinnvoll hältst Du diese Einheiten für Hobbyläufer?

Günther Weidlinger: Ich denke, wer einen Marathon laufen möchte, muss auch mal im Training 35km gelaufen sein. Wie soll sich der Körper sonst an die lange Belastungsdauer gewöhnen?

TopSportAustria: Welche Bedeutung haben lange Grundlageneinheiten für einen Spitzenläufer wie Dich? In welcher Phase der Vorbereitung?

Günther Weidlinger: Ich mache die langen Läufe grundsätzlich übers ganze Jahr. In der dirketen Vorbereitung auf einen Marathon werden sie ein wenig mehr und länger und auch ein bisschen schneller. Die langen lockeren Läufe tragen zur Kapillarisierung bei, d.h. die kleinen Gefäße welche die Muskeln durchbluten werden besser ausgebildet und so werden mehr Muskelfasern besser versorgt.

TopSportAustria: Welchen km Wochenumfang trainierst Du in der Marathonvorbereitung?

Günther Weidlinger: Das ist ganz verschieden und variiert von 130km - 220km je nach Intensität der Woche.

TopSportAustria: Mit welcher Art Einheiten machst Du das Tempotraining?

Günther Weidlinger: Ich habe des öfteren Tempoläufe am Programm wobei sich die Tempostrecken von 400m - 5.000m ertsrecken. Seit einiger Zeit mache ich aber auch längere Tempodauerläufe um mich an die lange hohe Belastung während des Marathons zu gewöhnen.

TopSportAustria: Setzt Du Höhentraining ein? Wenn ja, welche Erfahrungen hast Du damit?

Günther Weidlinger: Für die Vorbereitung auf den Herbstmarathon werde ich wieder in die Höhe von St. Moritz gehen, für Linz war ich nicht in der Höhe. Der Aufwand, im Winter in die Höhe zu gehen, wäre mir einfach zu groß gewesen. Ich müsste ja nach Australien oder Afrika fliegen um optimale Bedingungen zu haben. Meine Erfahrung mit dem Höhentraining ist sehr gut. Ich bin einige gute Rennen gelaufen nachdem ich von der Höhe zurück gekommen bin. Wunder wirkt das Höhentraining aber auch nicht und man kann ungleublich viele Fehler machen.

TopSportAustria: Welche Erfahrungen hast Du bisher mit der Veranstaltung in Linz gemacht?

Günther Weidlinger: Ich bin vor einigen Jahren in der Sportunion Staffel gelaufen und habe einige Male zugeschaut. Die Srecke kenne ich natürlich recht gut, ich habe ja einige Zeit in Linz gewohnt und bin einmal während des Marathons einen langen Dauerlauf auf der Strecke gerannt.

TopSportAustria: Woraus schöpfst du Deine Motivation nach so vielen Jahren Spitzensport?

Günther Weidlinger: Ich denke, dass ich immer noch Potential nach oben habe und ich somit noch nicht meine schnellste Zeit in einem Marathon gelaufen bin. Ich habe einfach unglaublich viel Spaß am Laufen und bin froh, dass ich noch immer mein Hobby als Beruf habe.

TopSportAustria: Woher bekommst Du Deine Unterstützung? Kann man in Österreich als Läufer vernünftig leben vom Sport?

Günther Weidlinger: Ich kann mich im Moment nicht beklagen. Für meine Begriffe haben wir in Österreich (zur Zeit noch) eine gute Sportförderung. Ich bin gespannt wie das in der nächsten Zeit weitergeht. Seit15 Jahren bin ich nun schon beim Bundesheer als Leistungssportler tätig und habe so die beste Förderung genießen dürfen. Leider muss ich Ende November diesen Jahres abrüsten, da ich den maximalen Verpflichtungszeitraum ausgeschöpft habe. Ich hoffe natürlich, dass ich auch dann noch meinen Sport ausüben kann. Dazu bin ich gerade auf der Suche nach einem Arbeitgeber, der mir die Möglichkeit bieten kann, weiterhin Leistungssport treiben zu können.