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Interview mit Bernadette Schuster - Über Liebe, Emotionen und Leidenschaft für den Laufsport

Bernadette Schuster ist nicht nur eine erfolgreiche Läuferin, sie verkörpert die große Liebe und Leidenschaft für das Laufen. Der Laufsport ist mehr als nur ein Hobby für sie, es ist ihre Lebenseinstellung. Gemeinsam mit ihrem Verlobten Hubert Morawetz stand sie schon bei unzähligen Laufevents am Start und ließ dabei viele Männer hinter sich.Wir kennen Berna von diversen Laufveranstaltungen. Man trifft sie immer herzlich und freundlich und mit einem Lächeln im Gesicht. Im Funkeln in ihren Augen erkennt man ihre große Leidenschaft für das Laufen.

Wir freuen uns ganz besonders, dass Berna in unserem Interview Einblicke in ihr Leben, ihre Emotionen und ihre Lauferlebnisse und -erfolge gegeben hat. :-)

Wie lange läufst du schon und wie bist du zum Laufen gekommen?

Seit 18 Jahren ist das Laufen nun ein wichtiger Teil meines Lebens. Sportlich war ich aber schon von Kindesbeinen an, ständig in Bewegung und immer auf Trab. Mit meinen Brüdern spielte ich Fussball und Badminton. Aber auch das Laufen war damals schon ein Teil meiner Freizeit. So bemerkte ich recht früh, dass mir neben Volleyball und Basketball vor allem das Laufen sehr gut lag. Zu den ersten Laufwettkämpfen kam ich durch meine Schwester, die auch Läuferin war. Seit ca. 14 Jahren stehe ich regelmäßig bei Laufbewerben am Start.

Was war dein schönstes Lauferlebnis?

Ich hatte schon viele schöne Lauferlebnisse, die ich nie vergessen werde. Zu den Schönsten zählt aber mit Sicherheit der Staatsmeistertitel im Halbmarathon im Jahr 2012, denn dies war ein Jahr, in dem ich mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte. Der Lauf selbst war einfach überwältigend. Begleitet von Hubert konnte ich mir den Staatsmeistertitel erkämpfen und überquerte mit Freudentränen die Ziellinie.

Ein besonders emotionaler Lauf für dich war ja auch der Wings for Life Run letztes Jahr. Wie hast du diesen Tag erlebt?

Ja, das war ein absolut emotionales und zugleich außergewöhnliches Erlebnis. Der Startplatz war ein Geschenk meines Verlobten Hubert zum Geburtstag. Ich freute mich sehr auf diesen Lauf! Ein Trainingslauf unter Wettkampfbedingung hieß unser Motto. Ohne große Erwartungen und mit dem Gedanken, für die zu laufen, die es nicht können, gingen wir voller Freude, Emotionen und Gänsehautfeeling an den Start. Die Stimmung in den Orten und entlang der Strecke war einzigartig. Ohne Druck und nie am Limit laufend, zogen wir durch die Landschaft, begleitet von Kamera- Motorrädern und einem Helikopter, ein verrücktes Szenario! Bei Km 47 erreichte ich dann das „Ziel“ und somit auch den Sieg in Österreich und Gesamtplatz 15 der Damen weltweit. Diesen Tag werde ich sicher nie vergessen.

Was bedeutet das Laufen für dich?

Das Laufen begleitet mich schon von meiner Kindheit an und ließ mich seitdem auch nicht mehr los. Ich bin ein Naturmensch mit einem großen Bewegungsdrang. Das Laufen verbindet alles: es ist die Einheit zwischen Körper, Geist und Seele. Das ist etwas ganz besonderes für mich und bedeutet mir sehr viel.

Du läufst ja mittlerweile von den kürzeren Strecken bis hin zum Ultralauf fast alles. Welche Distanzen machen dir am meisten Spaß und wo siehst du deine Stärken?

Durch die Betreuung von Hubert bei seinen Wettkämpfen erlebe ich auch immer wieder die Faszination des Ultralaufens. Durch meine Marathonleistungen und den Sieg letztes Jahr beim Wings for Life Run, nominierte mich das Österreichische Nationalteam im Ultralauf für die 100 km WM 2015 in Holland. Ich nahm die Herausforderung an und bereitete mich ca. 3 Monate auf etwas vor, was ich mir vorher nie vorstellen konnte. Das hieß also viel Training und vor allem lange Laufeinheiten. Ich merkte aber leider schnell, dass meine Muskulatur der Dauerbelastung nicht stand hielt. So lief es leider bei der WM nicht nach Wunsch und ich musste bei KM 60, mein erst zweites Rennen in meinem Läuferleben beenden. Enttäuscht über den Ausstieg, aber glücklich über die Erfahrung, dass man etwas schaffen kann, was man sich vorher nie vorstellen konnte! Aber der Ausflug zum Ultramarathon bleibt vorerst ein Einzelfall, denn heuer konzentriere ich mich wieder auf meine Stärken ( 5km, 10km, HM) und kehre auf die kürzeren Distanzen zurück.

Gab oder gibt es auch die Überlegung den Sport profimäßig auszuüben?

Ich bin ein Realist, was das Profi-Geschäft angeht. Ich war oder bin in Österreich ganz gut dabei, aber für einen Profi reicht(e) mein Talent nicht aus, somit stellte sich die Frage auch nie. Und wenn ich ehrlich bin, ist es auch gut so. Etwas machen zu „dürfen“ und nicht zu „müssen“ ist mir lieber.

Wäre ein Start bei einem Triathlon oder Duathlon auch ein Thema für dich?

Triathlon eher nicht, da müsste ich viel Zeit investieren, die mir neben zwei Jobs nicht bleibt. Duathlon auf jeden Fall, das reizt mich schon seit einigen Jahren. 2014 habe ich ein Rennrad gekauft. Es macht mir Spaß und laut Hubert liegt es mir auch ganz gut. Also bei einem Duathlon möchte ich bald einmal am Start stehen. :-) 

Hubert und du, ihr seid ja ein absolutes „Läufer-Traumpaar“, habt ihr euch auch beim Laufen kennen gelernt?

Danke für das tolle Kompliment, das hört sich schön an! :-) Ja, wir haben uns über eine Freundin beim Steyrer Christkindllauf 2009 kennengelernt. Jemanden zu finden, mit dem man die Freude am Sport und der Natur teilen und genießen kann, ist ein Geschenk, worüber ich sehr dankbar bin!

Läufst du auch viel mit Hubert gemeinsam? Wie sehen eure gemeinsamen Läufe aus?

Wir laufen viel miteinander. Wir lieben die wunderbaren Laufausflüge in unserem Paradies vor der Haustüre, dem Böhmerwald. Endlose Wälder, viele Trails, einfach wunderschön und immer wieder ein echtes Geschenk. Es gibt einfach nichts Schöneres, als nach einem langen Arbeitstag den Abend bei einem gemeinsamen Lauf genießen zu können.

Wie läuft bei euch ein normaler Arbeits- und Trainingstag ab?

Unser Tag fängt sehr früh an, um 4:15 ist Tagwache. Für einen guten Start in den Tag ist uns ein gemeinsames Frühstück wichtig! Da ich um 5.30 und Hubert um 6.00 zu arbeiten beginnen, lässt sich das gut vereinbaren. In meiner Hauptbeschäftigung, der Warenannahme und Lagerwirtschaft in der Tischlerei Andexlinger, arbeite ich bis ca. 13.30 – 14 Uhr. Die Trainingskleidung bereits im Gepäck, treffen wir uns dann direkt nach der Arbeit am vereinbarten Startpunkt für unser Training. Nach dem Training investiere ich fast täglich ein bis zwei Stunden für meinen zweiten Job, in dem ich Büroarbeiten und Buchhaltung in der Montagetischlerei meines Bruders erledige. Danach kommt der zweite Teil meines Trainings: Zirkel, Kraft, Stabi und Dehnen. Das habe ich seit heuer und aufgrund meiner starken Muskelschmerzen fix in mein Trainingsprogramm aufgenommen.

Die Laufszene ist ja auch wie ein große Familie, man kennt sich und trifft sich immer wieder. Was ist für dich das Besondere daran?

Ich freue mich über diese Frage, weil ich über die Bedeutung für mich Bücher schreiben könnte. :-) Ich bin ein sehr humorvoller und offener Mensch. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich viele Leute dieser „Lauffamilie“ mag und deren Leistungen in allen Alters- und Leistungsklassen schätze und respektiere! Das Besondere ist ihre Freude am Laufen, den Willen, ihr Bestes zu geben und die Leistung anderer zu respektieren. Danke an dieser Stelle für die vielen tollen Menschen, denen ich begegne und die diesen schönen Sport bereichern und zu etwas Besonderem machen!

Was sind für dich die wichtigen Dinge des Lebens abseits des Sports?

Wichtig ist mir vor allem die Familie! Seit dem schmerzlichen Verlust meines Vaters letztes Jahr ist es noch wertvoller, zusammen Zeit verbringen zu können. Aber auch das Treffen mit Freunden ist ein sehr wichtiger Teil für mich. Abseits vom Laufen verbringen wir, so viel es geht, Zeit in den Bergen. Bei Bergtouren und Klettersteigen leben wir unsere zweite Leidenschaft in vollen Zügen! Die Magie der Berge, die Kraft, Freude und Demut, die man auf den Gipfeln der Berge verspürt, ist einfach unbeschreiblich!!

Wo siehst du dich in 5 Jahren?

Ich sehe nicht zu weit nach vorne. Ich lebe das Hier und Jetzt, denn es kommt ohnehin so wie es soll und meist anders, als man denkt. Was ich mir aber wünsche ist Gesundheit, um diesen schönen Sport so lange wie möglich ausüben zu können.

Welchen Stellenwert hat der Sport in deiner Lebensgeschichte?

Einen sehr wichtigen und großen Stellenwert! Neben der Herausforderung, das man „Leben“ nennt, ist Sport ein wichtiger Teil im Gleichgewicht zu bleiben. Auch sich in Form zu halten, ist mir sehr wichtig. Es ist ein gutes Gefühl, auf sich zu achten und sich zu bewegen. Ich danke Gott, dass er mir die Liebe, Kraft und Leidenschaft für so viel Schönes in meinem Leben gegeben hat und somit auch die Begegnung mit meinem Mann und all den vielen tollen Menschen!